Am Jahrestag der Reichspogromnacht gedenken 150 Gottesdienstbesucher den jüdischen Opfern des Nazi-Terrors

Zusammen mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Marlene Hunte-Grüne wurde anschließend ein Kranz am alten jüdischen Friedhof niedergelegt

BARSINGHAUSEN (ta). Anlässlich des 81. Jahrestages der Reichskristallnacht am 9. November 1938 und vor dem traurigen Hintergrund der steigenden Zahl von Angriffen und Anfeindungen gegen Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland haben heute rund 150 Besucher an einem ökumenischen Gottesdienst in der Klosterkirche und der anschließenden Kranzniederlegung beim alten jüdischen Friedhof teilgenommen. Unter der Überschrift „Hewenu schalom – Antisemitismus erinnern und bekämpfen“ wurde der Gottesdienst von den Hauptkonfirmanden der Mariengemeinde, Jugendlichen der Petrusgemeinde, den Pastorinnen Uta Junginger und Kristin Köhler sowie von Bernd Steger als Vertreter der Siegfried-Lehmann-Stiftung gestaltet. Steger war es auch, der die vielen Namen der einstigen Barsinghäuser Bürger jüdischen Glaubens, die in Folge der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer fielen, verlas. Mahnende Worte fand anschließend die stellvertretende Bürgermeisterin, Marlene Hunte-Grüne, in ihrer Rede, während die Jugendlichen im Rahmen der Fürbitte daran erinnerte, dass man Krieg und Vertreibung heute nur als Zuschauer erlebe. Besondere Brisanz erfuhr die Gedenkveranstaltung nicht zuletzt durch den abscheulichen Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle vor wenigen Wochen. Der 9. November 1938 stellte damals in der schrittweisen Verschärfung der Judenverfolgung ein Fanal dar. In ganz Deutschland wurden zahlreiche Synagogen, jüdische Einrichtungen und Geschäfte zerstört, geschändet oder niedergebrannt. Am Ende dieser katastrophalen Entwicklung stand der Holocaust. Erstmals fand die Gedenkveranstaltung unter Polizeischutz in Barsinghausen statt. Allein das zeigt, dass in diesem Land und in den Köpfen von nicht wenigen Menschen einiges schief läuft.

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