Arbeitsuchende führen Theaterstück „Bitte nicht weinen!“ auf

Im Team sollen die sprachlichen Kenntnisse und das Selbstbewusstsein gestärkt werden

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BARSINGHAUSEN/WENNIGSEN (red). Nach und nach betreten die Reisenden die Bühne. Manche tragen schwer an ihren Koffern, andere lächeln voller Optimismus in das Publikum. Sie befinden sich alle auf einer langen Reise. Die meisten haben ihre Heimat nicht freiwillig verlassen und konnten nur wenig Gepäck mit sich nehmen. Viele mussten wichtige Dinge zurücklassen: die Familienfotos, die Mutter, die Tauben, die sie jeden Morgen gefüttert haben. Sie erzählen Geschichten aus ihrer Heimat, von ihren Wünschen und ihren Hoffnungen. Keiner von ihnen weiß, wann die Reise beendet sein wird. „Bitte nicht weinen“ heißt das Theaterstück, das die TeilnehmerInnen des Projektes mund:ART in den letzten sechs Monaten entwickelt und geprobt haben, und am 09. Juni Premiere im Kloster Wennigsen gefeiert hat. Seit November 2015 arbeiten die Frauen und Männer, die aus sieben verschiedenen Nationen kommen, an dem Einstieg in das Berufsleben in Deutschland. In dem Projekt der defakto GmbH, das vom Jobcenter Region Hannover in Barsinghausen gefördert wird, werden die Teilnehmer neun Monate von einer Theaterpädagogin (Coco Rohwer ), einem Jobcoach (Antonia Hemling) und einer Sprachtrainerin (Inge Schäkel) begleitet. Ziel ist die Verbesserung der Sprachkenntnisse und die Verschmelzung von Fähigkeiten, die in der Theaterarbeit gefördert werden, und bei der Jobsuche gebraucht werden: die Arbeit in einem Team, Lösungen von Konflikten und dem Aufbau des Selbstbewusstseins. Gegliedert ist „mund:Art“ in insgesamt drei Akte. Schwerpunkte sind die Arbeit auf der Bühne, die Entwicklung eines eigenen Theaterstückes,eine intensive Arbeitswelt-orientierung, ein lebendiges Sprachtraining und begleitende Betriebspraktika in den angestrebten Berufen. Die erste große Hürde ist von den TeilnehmerInnen genommen. Sie standen bei der Premiere auf der Bühne und haben vor einem begeisterten Publikum ihre Geschichte gespielt. Aber die großen Herausforderungen liegen noch vor ihnen: Im letzten Akt gehen sie für 12 Wochen in ein Langzeitpraktikum, um die Fähigkeiten, die sie in der Theaterarbeit wieder entdeckt haben, im Berufsleben umzusetzen und in ihrem Job anzukommen.

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Foto: privat