Barsinghäuser Polizeistatistik 2023: Mehr Ermittlungen gegen Kinder und Jugendliche

Insgesamt deutlich mehr Fälle von Kriminalität, aber auch höhere Aufklärungsquote

Joachim Eickmeyer (vo.li.), Margarita Kahlmeyer und Ludger Westermann präsentieren die polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2023 für Barsinghausen.

BARSINGHAUSEN (fk). Die Gesamtanzahl der Straftaten in Barsinghausen im Jahr 2023 ist gegenüber dem Vorjahr mit 1890 Fällen auf 2062 Fälle gestiegen. Dies berichtete der Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes im Polizeikommissariat Barsinghausen Joachim Eickmeyer heute gemeinsam mit dem Leiter des Polizeikommissariat Barsinghausen Ludger Westermann und Ermittlungsleiterin Margarita Kahlmeyer bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Jahres 2023. „Wir bewegen uns auf hohem Niveau uns haben einen Höchststand erreicht“, erklärt Joachim Eickmeyer bezugnehmend auf die zurückliegenden Jahre seit 2014. Die Aufklärungsquote bei den gesamten Straftaten lag bei einem guten Wert von 71,87 Prozent (Vorjahr 68,99) und über dem Schnitt der zurückliegenden Jahre. „In unserer Dienststelle wird gute Arbeit geleistet“, so Joachim Eickmeyer, der erklärte, dass unter anderem bei den Rohheitsdelikten die Aufklärungsquote von 91,47 Prozent auf hohem Niveau liegt. Grund zur Sorge bietet allerdings ein Blick auf die Statistik der Tatverdächtigenentwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Einen massiven Anstieg gab es dort unter anderem im rückliegenden Jahr mit 88 Kindern (Vorjahr 62) und 151 Jugendlichen (Vorjahr 111). Bei den Heranwachsenden ist die Täterentwicklung mit 73 Tatverdächtigen (Vorjahr 87) leicht rückläufig und bei den Erwachsenen sind es mit 841 (Vorjahr 749) deutlich mehr. Bei den sogenannten Rohheitsdelikten gab es eine Steigerung auf 504 Fälle (Vorjahr 435) und zwar in allen Bereichen, zu denen Rohheitsdelikte zählen. „Viele wissen sich oft nicht mehr ohne Gewalt zu helfen und die Polizei muss das ausbaden“, erklärt Ludger Westermann, der mangelnde Empathiefähigkeit bei Kindern und auch deren Eltern als den häufigsten Grund für Gewalt sieht.

Bei den Körperverletzungen gesamt gibt es eine Steigerung auf 319 Fälle (Vorjahr 273). Bei den Diebstahldelikten liegt die Zahl mit 500 Fällen auf fast gleichbleibendem Niveau zum Vorjahr. Deutlich gestiegen sind hingegen die Betrugsdelikte von ehemals 190 Fällen im Jahr 2022 auf 256 Fälle im Jahr 2023. Wobei es besonders im Bereich des Waren- und Kreditbetrugs eine Steigerung auf 123 Fälle (Vorjahr 81) gab. Besonders „fleißig“ war hierbei eine 28-jährige Frau aus Barsinghausen, die 66 vorsätzlich begangene Fälle von betrügerischen Bestellungen im Internet begangen hat. Laut Margarita Kahlmeyer ist die tatsächlich angezeigte Zahl der Betrugsfälle noch ein Mal deutlich höher, aber sobald die Betrüger nicht in Barsinghausen ansässig sind, werden diese Fälle dann auch von anderen Dienststellen bearbeitet. Was die Polizei sehr erfreut, ist der Rückgang der Delikte im Bereich der Gewalt gegen Polizeibeamte*innen. Hierbei ist eine Änderung der Gesetzeslage, die Gewalt gegen Polizeikräfte deutlich höher bestraft, vermutlich positiv in Erscheinung getreten. Insgesamt 19 Fälle (Vorjahr 36) gab es diesbezüglich im Bereich der Barsinghäuser Polizei. Bei der Straßenkriminalität gab es einen leichten Anstieg auf 303 Fälle (Vorjahr 294) und bei Fällen gegen das Betäubungsmittel-Gesetz (BTM) gab es eine Steigerung der Fälle auf 201 (Vorjahr 163). Wobei hier der Anteil an BTM-Vergehen mit Amphetamin laut Joachim Eickmeyer seit Jahren kontinuierlich steigt. Laut der neuen Rechtssprechung in Bezug auf Cannabis würden, laut Margarita Kahlmeyer, würden viele bisher strafrechtlich relevante Fälle, nicht mehr illegal sein. Ludger Westermann warnt aber davor, dass das Führen von Fahrzeugen unter Cannabiseinfluss nach wie vor strafbar ist.

Folgendes Fazit zieht die Barsinghäuser Polizeispitze: Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Barsinghausen kam es im Jahr 2023 zu einem Anstieg der Taten um 2,99 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt mit 71,87 Prozent auf sehr hohem Niveau. Die Steigerung in den Bereichen Rohheitsdelikte, Diebstahl und Rauschgiftdelikte lässt sich nicht auf besondere Serientaten und/oder Personengruppen zurückführen, sondern ist eher vielschichtig zu betrachten. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle ist von 13 auf 25 Taten gestiegen. Bis auf eine kleinere Serie von fünf Taten in Landringhausen und drei Taten im Bereich Hohenbostel und Winninghausen wurde jedoch keine spezielle Häufung festgestellt werden und es konnten 16 Prozent dieser Taten geklärt werden. Als Intensivtäter waren 2023 eine 15-jährige sowie ein 18-jähriger für rund 80 Taten in unterschiedlichen Deliktsbereichen verantwortlich. Unter diesen befanden sich auch diverse Raubdelikte. „Wir können aber keine typischen Delikte vorweisen, die zu dem Gesamtanstieg der Fälle besonders beigetragen haben“, erklärt Joachim Eickmeyer abschließend.

Foto: Krüger