Brütende Mehlschwalben haben bei der Rosen-Apotheke eine Zukunft

BARSINGHAUSEN (red).

Wie in jedem Jahr, so haben die Naturschützer Hannelore Owens und Wolfgang Hoppe auch jetzt die seit vielen Jahren an der Rosenapotheke in Barsinghausen brütende Mehlschwalbenkolonie wieder in Augenschein genommen, um den Bestand der von den Vögeln selbst gebauten Nester zu zählen und zu begutachten. „Heute konnten wir an zwei Nestern noch das Füttern beobachten“, sagt Hoppe. “Das wird die Zweitbrut gewesen sein. Die Mehlschwalbe brütet in der Zeit von Mai bis September. Die Jungvögel werden ca. 22 Tage im Nest mit Nahrung versorgt, bevor sie ausfliegen.“ Owens, die unweit von der Apotheke wohnt, berichtet, dass in diesem Jahr Mehlschwalben auch in ihrer Nachbarschaft Nester gebaut hätten. „Ich gehe davon aus, dass es Nachwuchs von ‚Apotheker Klöbers‘ Schwalben sind“, vermutet sie. „Sie werden sich im Frühjahr, nach ihrer Rückkehr aus Südafrika, ihrem Winterquartier, in der Nachbarschaft nach einem geeigneten Gebäude zum Brüten umgesehen haben. Vorzugsweise ein  Gebäude, das ein Dach mit Überhang hat, unter dem ihr Nest vor Regen geschützt ist.“ „Es sind insgesamt 18 Nester dieses Jahr“, begrüßt Apotheker Klöber die beiden Naturschützer. „Die Vögel haben sich in diesem Jahrweiter am Gebäude ausgebreitet. Ich werde da wohl noch ein Schutzbrett anbringen müssen.“

Owens berichtet, dass die Kolonie von anfänglich 3 Nestern stetig und rapide gewachsen sei. „Zu den 18 Nestern im vergangenen Jahr, sind ein paar abgefallen, neue sind hinzugekommen“, stellt Owens fest. „Allem Anschein nach, fühlen sich die Vögel an der Rosenapotheke für ihr Brutgeschäft gut aufgehoben“, sagt Owens, die den Nestbau seit ca. 20 Jahren verfolgt und sich dabei mit dem Apotheker ausgetauscht hat. Im Juni 2022 wurde der Apotheker für sein vorbildliches Engagement im Vogelschutz von NABU-Bundespräsident Jörg-Andreas Krüger mit der Ehrenurkunde ausgezeichnet. Im Februar 2023 hat Klöber ein langes Kotbrett an der Frontseite des Gebäudes unter den Nestern anbringen lassen, um seine Kunden und die Patienten der benachbarten Arztpraxis vor herabfallendem Vogelkot zu schützen.

“Die Mehlschwalbe und ihre Nester stehen gemäß §44 BNatSchG unter besonderem Schutz. Die Nester dürfen nie entfernt werden; auch nicht während der Abwesenheit der Vögel in ihrem Winterquartier“, berichtet Owens weiter. „Derzeit wird die Mehlschwalbe auf der Roten Liste für Brutvögel bereits unter Kategorie 3 ‚gefährdet‘ geführt.  Ursächlich dafür sind Nahrungsmangel und Wohnungsnot. Wie alle Zugvögel, ernährt sich die Mehlschwalbe von Insekten. Gemäß einer Langzeitstudie stellten Forscher jüngst einen Rückgang der Fluginsekten von 76% innerhalb von nur 27 Jahren fest, und da dieser drastische Rückgang weder auf das Klima noch auf andere Veränderungen in den untersuchten Gebieten zurückzuführen ist, werden Einflüsse aus den umliegenden landwirtschaftlichen Feldern vermutet. Auswertbare Daten liegen dazu noch nicht vor.“ sagt die Naturschützerin. Sie habe diese Fakten kürzlich einem einschlägigen Bericht eines Naturschutzverbandes entnommen. „Die Mehlschwalbe gehört zu den Langstreckenziehern“, sagt Owens. „Ich finde es erstaunlich, dass dieser ca. 13 cm kleine Vogel mit einem Gewicht von 10 – 23 Gramm jedes Jahr die weite Reise zu seinem Winterquartier in Südafrika antritt, um im Frühjahr zur Brutzeit wieder zu uns, zu seinem Geburtsort, zurückzukehren. Das ist bewundernswert!“.

Fotos: privat