Bürgerinitiativen aus dem Calenberger Land vereinen sich gegen geplante ICE-Neubaustrecke Hannover-Bielefeld

GROß MUNZEL (red).

Am gestrigen Samstag haben sich gut 120 Bewohnerinnen und Bewohner aus Bad Nenndorf, Groß Munzel, Kolenfeld und weiteren Ortschaften im Calenberger Land in der Gemarkung Groß Munzel zusammengefunden, um gemeinsam gegen das von der Deutschen Bahn geplante Projekt einer neuen ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hannover und Bielefeld zu demonstrieren. Diese Versammlung wurde von drei Bürgerinitiativen aus den betroffenen Gemeinden organisiert und ist Teil einer synchronen Protestaktion, die entlang der vorgeschlagenen Neubaustrecke auch im Auetal und Ostwestfalen-Lippe stattfand. Gerald Schroth, ein führender Vertreter der Bürgerinitiativen, betonte die Bedeutung der vernetzten Aktion: “Es ist für uns wichtig, zu zeigen, dass wir mit allen betroffenen Bürgerinitiativen über die gesamte Strecke (Hannover-Bielefeld) vernetzt sind.” Die Hauptforderung der Bürgerinitiativen ist die Priorisierung der Kapazitätserhöhung und Taktverbesserung auf der Bestandsstrecke, während sie entschieden gegen den Neubau einer ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke sind.

Die Deutsche Bahn verfolgt das Neubauprojekt mit dem Ziel, im Rahmen des Deutschlandtaktes die Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld um 17 Minuten zu verkürzen und die Kapazität der Strecke zu erhöhen. Trotz aktueller Haushaltskürzungen ist das Projekt nach Aussage der Bahn nicht gefährdet, jedoch sind weitere Verzögerungen zu erwarten, sodass mit einer Fertigstellung nicht vor 2050 gerechnet wird. Matthias Rattensperger, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative aus Munzel, weist darauf hin: “Ein Neubau kommt deutlich zu spät. Die Bahn muss die geplante Generalsanierung im Jahr 2030 nutzen, um die Bestandsstrecke entsprechend auszubauen und zusammen mit der vorgesehenen Digitalisierung und Modernisierung die Kapazitäten signifikant zu erhöhen.”

Die Bürgerinitiativen führen mehrere Argumente gegen die Neubaustrecke an, darunter die Zerstörung der Natur, Flächenversiegelung, Ressourcenverschwendung sowie die Zerschneidung landwirtschaftlicher Flächen. Zudem würde ein Ausbau der Bestandsstrecke den Lärmschutz erheblich verbessern. Die geschätzten Kosten von 8 Milliarden Euro für die Strecke Hannover-Bielefeld und die hohe CO2-Belastung durch den Neubau sind weitere Kritikpunkte. Die Bürgerinitiativen fordern die Deutsche Bahn auf, die Planungsressourcen umgehend auf den Ausbau der Bestandsstrecke zu konzentrieren, um kurzfristig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, anstatt langfristig auf eine ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke zu setzen, deren Beitrag zur Klimawende infrage gestellt wird.

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