„Das Ende der Volksparteien ist gekommen“

Politikwissenschaftler Peter Lösche analysiert die Veränderung im bundesrepublikanischen System

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Helmut Steinert (li.) und Jörg Vandreier (re.) begrüßen Professor Peter Lösche in Barsinghausen.

BARSINGHAUSEN (ta). Auf Einladung des Forums für Politik und Kultur gastierte heute der bekannte Politologe, Professor Peter Lösche, im ASB-Bahnhof. Nach einer kurzen Einleitung von Moderator Helmut Steinert stellte der Göttinger Wissenschaftler vor rund 30 Interessierten seine Thesen zum Niedergang der Wahlbeteiligung vor. Er selber stamme aus einem sozialdemokratisch und solidarisch geprägten Milieu in Berlin. Inzwischen hätten sich sowohl die an die CDU eher katholisch gebundenen Schichten als auch die an die SPD angegliederten Arbeiter- und Handwerksmilieus nicht nur stark verändert, sondern seien sogar am erodieren. Den Volksparteien prognostizierte Lösche das Aus, Ursachen hierfür seien der Niedergang bei der Wahlbeteiligung, aber auch mit Blick auf die Altersstruktur die „Verkalkung“ der Parteien. Folge des Wegbrechens der an Parteien gekoppelten Milieus sei eine gestiegene Beliebigkeit beim Wahlverhalten, wobei eine Tendenz hin zu den Rändern des politischen Spektrums erkennbar sei. Andererseits könne man im Vergleich mit den europäischen Nachbarstaaten aber auch durchaus von einer Normalisierung bei der Wahlbeteiligung sprechen, meinte Lösche. Er analysierte ferner, dass sowohl die gesellschaftliche Ausgleichsfunktion als auch die Vermittlungsfunktion der Parteien gesunken sei. Gefragt wäre jetzt eine direkte Beteiligung der Mitglieder bei personellen und inhaltlichen Fragen. Gleichwohl sei direkte Demokratie kein Allheilmittel für das politische System, gab Lösche zu bedenken.

Foto: ta