Den Vorgarten naturnah gestalten

REGION (red).

Foto: Sabrina Kowsky

Der NABU Niedersachsen möchte Gartenbesitzern Mut machen, den Schritt vom konventionell-langweiligen Vorgarten hin zu mehr Vielfalt auszuprobieren. Hier finden Sie Anregungen. Vorgärten: Oft ungeliebte Kleinflächen, die „eben auch dazu gehören“. Eigentlich schade, findet der NABU Niedersachsen. „In Zeiten rasant voranschreitenden Flächenfraßes durch Überbauung und Versiegelung, in Zeiten des Klimawandels, in denen sich unsere Städte immer mehr aufheizen, kommt es auf jeden Quadratmeter an, um Natur Raum zu geben und durch Begrünung für frische Luft und Abkühlung zu sorgen“, sagt NABU-Mitarbeiter Rüdiger Wohlers. Aber oft enden die Ideen für Gartengestaltung hinter dem Haus, dort, wo sich die Menschen am häufigsten aufhalten. Deshalb werden Vorgärten leider oft nur als lästige ‚Restflächen‘ behandelt. „Autostellplätze, fantasielose Kirschlorbeer- oder Zwergrhododendron-Wüsten oder gar Schottergärten machen den Vorgarten zur Naturzerstörungsecke. Mit etwas Fantasie lässt sich das ändern: Warum nicht den Vorgarten zu einer Neugierde weckenden Visitenkarte des naturnahen Gartens machen, der hinter dem Haus liegt?“, regt Wohlers an.

Auch kleine Vorgärten führen zu mehr Artenvielfalt: Auch auf kleinen Flächen finden Tiere und Pflanzen Lebensräume. Wohlers gibt Beispiele: „In einem Vorgarten können spielerisch Klein-Lebensräume angelegt werden. Dazu zählt etwa eine Mini-Wiese, in der nicht die Rasen-Nagelschere das Regiment führt, sondern in der sich eine bunte Blumenschar entwickeln kann, die für Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten von Bedeutung wird. Da kann auch eine Mini-Hecke, etwa als Umrandung des Vorgartens, gepflanzt werden, selbstverständlich aus heimischen Sträuchern wie Hasel, Weißdorn, Schlehe, Schneeball, Liguster, Faulbaum oder Holunder. Auch für einen Wildapfel oder eine Wildbirne kann Platz sein. Diese heimischen Sträucher sind Brutraum für Vögel und ihre Früchte und Beeren bieten den Gefiederten im Herbst ein reich gedecktes Büffet.“

Begrünung: „Wer in oder an einem sehr kleinen Vorgarten aus Platzgründen keine Hecke pflanzen kann, sollte über einen einfachen Holzzaun nachdenken, der berankt werden kann, etwa durch die wunderbar blühenden Clematis-Sorten. Das gibt ein Blütenkleid; und auch Hauswände können berankt werden, sodass sich ein grüner Pelz ergibt, der sowohl einen Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsraum für Insekten als auch Brutmöglichkeiten für Vögel ergeben kann – natürlich unter Beachtung der baulichen Voraussetzungen und der Eigenschaften und Ansprüche der Kletterpflanzen“, sagt der NABU-Mitarbeiter. „Häuser im grünen Pelz helfen ebenfalls mit, für bessere Luft in den Städten zu sorgen und das Klima erträglicher zu machen.“

Wasserstellen nicht vergessen: Auch ein Mini-Teich in einer Senke kann zum Bestandteil der „Natur-Visitenkarte“ werden, führt der Naturschützer an: „Aus festem Lehm oder einem Stückchen Teichfolie geformt – wobei darauf geachtet werden sollte, dass nicht zu viel Wasser ins umliegende Erdreich durch den Kapillareffekt entweicht –, ist es möglich, ein Mini-Dorado für Libelle, Fieberklee, Rohrkolben und Co. zu schaffen und zugleich einen Ort, an dem Vögel und Insekten sich erfrischen können.“ Wohlers macht darauf aufmerksam, dass in den Boden eingelassene, steilwandige Gefäße zu einer Todesfalle für Igel, Spitzmäuse und auch Insekten werden könnten. Deshalb müsse, wenn darauf zurückgegriffen werde, stets für ausreichend Ausstiegshilfen gesorgt werden, etwa in Form hineingelegter Äste, Bretter und anderer Hilfsmittel. „Deshalb sind flache Senken ungefährlicher“, sagt er. „Eventuell mit einem umgebenden Sumpfbeet, in dem weitere Pflanzen feuchter Standorte einen Platz finden können.“

Nachtaktive Tiere profitieren ebenfalls: Auch Stauden könnten in einem Vorgarten Platz finden. „Vorfahrt sollten dabei stets solche mit ungefüllten Blüten oder heimische Wildpflanzen finden, da diese für Insekten von Bedeutung sind”, so Wohlers. Es können auch nektarreiche, nachtblühende Pflanzen gesetzt werden: Diese sind das Büffet für Nachtfalter und andere nachtaktive Insekten. Davon werden dann auch Fledermäuse profitieren. Auch trockene Bereiche im Vorgarten sind Mini-Lebensräume: Etwa eine bewusst von Bewuchs freigehaltene, sandige Fläche – selbst, wenn es nur ein Quadratmeter ist. Sie ist als Nistplatz für Hautflügler von Bedeutung. „Vielleicht umkränzt von Nachtkerze oder Königskerze, die mit ihrem mächtigen Gelb das kleine Naturparadies schon von weitem sichtbar machen!“ rät NABU-Mitarbeiter Wohlers. Er möchte allen Mut machen, den Schritt vom konventionell-langweiligen Vorgarten hin zu mehr Vielfalt auszuprobieren. Ergänzt werden könne das Natur-Angebot auch durch Insekten-Nisthilfen oder Nistkästen für Vögel.

Foto: Sabrina Kowsky