Denkmale für Babyn Jar: Historisch-Politisches Colloquium erinnert mit Vortrag an Massaker an über 33.000 Juden

BARSINGHAUSEN (hhn).

Vor dem Historisch-Politischen Colloquium begann Prof. Dr. Pavel Poljan seinen Vortrag in der VHS Calenberger Land mit einer Rekonstruktion der Erschießung von über 33.000 Juden durch Deutsche in der Schlucht von Babij Jar (ukrainisch Babyn Jar] innerhalb der heutigen Grenzen der Stadt Kiew im September 1941. Eindrucksvoll waren vor allem die Bilder, die damals meist von deutschen Soldaten aufgenommen worden sind. Nach der Befreiung Kiews durch die Sowjetische Armee im November 1943 gab es ein jüdisches Gedenken, auch in jiddischer Sprache. Das Massaker von Babij Jar wurde, auch durch deutsche Forschungsarbeiten, dann international zum Symbol des deutschen Genozids an den Juden in der damaligen UdSSR. Der wurde- anders als der Judenmord westlich des Bug – nicht mit dem Mordinstrument Gaskammern verübt, sondern durch Verhungern lassen, durch eine Vielzahl großer und kleiner Erschießungen und durch das Niederbrennen von Ghettos. Zwischen der heutigen Ostgrenze Polens und dem weitesten Vordringen der Wehrmacht in Richtung Wolga, also von Weißrussland und der Ukraine bis vor die Tore des damaligen Leningrad und bis in den Kaukasus, sind etwa  2,6 Millionen Juden auf so „archaische“ Weise getötet worden, fast die Hälfte der Gesamtzahl der ermordeten Juden.

Ein erstes Denkmal am Ort des Verbrechens in Babij Jar wurde 1976 errichtet. Es war aber allen von Deutschen ermordeten sowjetischen Zivilisten gewidmet, nannte die Ethnizität nicht und verfälschte so den Grund für dieses Massaker (es gab auch andere an Ukrainern, Russen u.a.). Erst 1991 wurde dann eine große Menora zum Andenken an die ermordeten Juden aufgestellt. Wenig später wurde jedoch ein Denkmal für ukrainische Nationalisten daneben gestellt, die ebenfalls von der deutschen Besatzungsmacht ermordet worden sind, die aber selbst antisemitisch argumentiert hatten und aus deren Reihen viele an Judenmorden beteiligt waren. Der Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 beendete dann Versuche, eine umfassende und der wirklichen Geschichte angemessene Lern- und Begegnungsstätte in Babij Jar zu schaffen, die nationale Stimmung war aufgeheizt und einige der jüdischen Sponsoren  aus Russland, etwa der Oligarch Michail Fridmann, wurden im Westen sanktioniert. Poljan legte dazu sein neuestes Buch vor,“Babij Jar – Realien“, das 2024 in russischer Sprache in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau (also weder in der Ukraine noch in Russland) erschienen ist. Ein einführender Aufsatz in deutscher Übersetzung wurde in der „Zeitschrift für Weltgeschichte“ Jahrgang 23, Heft 2 publiziert.