Der Seniorenrat fragt: SPD-Bürgermeisterkandidat Henning Schünhof spricht Klartext

„Ich ziehe einen kooperativen Führungsstil im Rathaus vor“

BARSINGHAUSEN (ta). Zur abschließenden Runde der Befragung der Bürgermeisterkandidaten durch den Seniorenrat Barsinghausen stellte SPD-Bürgermeisterkandidat Henning Schünhof seine Konzepte und Ziele vor. Am 1. November sind die Wähler in der Deisterstadt aufgerufen, einen neuen Rathauschef oder eine neue Rathauschefin zu bestimmen. Damit sich die Bürger ein umfassendes Bild von den Kandidaten machen können, hatten die Mitglieder vom Seniorenrat reichlich Fragen gesammelt. Ob er auch kandidiert hätte, wenn der aktuelle Bürgermeister Marc Lahmann wieder angetreten wäre und was ihn an der Politik Lahmanns gestört habe, lautete die erste Frage. Als er von seiner Partei nominiert worden sei, sei noch gar nicht klar gewesen, ob Lahmann noch einmal in den Ring steigen wolle. „Ich wäre aber auch gegen Herrn Lahmann angetreten“, so der 53-jährige Schünhof. Was ihn an der Politik des Verwaltungschefs immens gestört habe, sei dessen Gebaren rund um den Streit über den Neubau des Wasserwerks gewesen, denn bei dem Thema habe man das Gefühl, als wenn Lahmann eine persönliche Fehde ausfechte. Nun müsse es darum gehen, dass das Neubauprojekt ohne weitere Verzögerungen in Angriff genommen werde, so der stellvertretende Stadtbrandmeister, Ortsbrandmeister von Winninghausen und Ratsherr. Wie kann die Abwanderung von Kunden aus der Innenstadt hin zum Versandhandel gestoppt werden und würde ein Versandhändler in die Fußgängerzone passen? Leider gäbe es in der Innenstadt (Beispiel City-Center) zu viele leer stehende Geschäftsräume. Wichtig für die Attraktivität der Fußgängerzone seien die Aktionstage vom Stadtmarketingverein, wie der „Tag der Ortsteile“. Was in der Kernstadt auf jeden Fall noch fehle, seien ein Nahversorger sowie ein großes Fachgeschäft als Kundenmagnet. Wünschenswert wäre obendrein ein zusätzliches Modegeschäft, betonte der SPD-Politiker. Die Stellenausschreibung für einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer begrüßte Schünhof, denn dieser wichtige Bereich brauche feste Strukturen und müsse fachübergreifend aufgewertet werden. Betriebe, die sich in Barsinghausen ansiedeln wollten, bräuchten einen festen Ansprechpartner, flüssigen Service und gezielte Hilfe – das habe zuletzt nicht selten gefehlt. Daneben sei aber auch die ansässige Wirtschaft auf eine professionelle und funktionierende Wirtschaftsförderung angewiesen. Manchmal reichten aber auch schon kleine Maßnahmen aus, um Geschäften vor Ort  effektiv zu helfen. Ob Schünhof sich dafür einsetzen wolle, dass sich in Groß Munzel endlich wieder ein Allgemeinmediziner ansiedele? Ja, denn kurze Wege sind natürlich erstrebenswert für die Patienten vor Ort, kündigte der Kandidat an. Wie kann die Geschäftsführung der Alten Zeche und des Besucherbergwerks in Zukunft gesichert werden? Henning Schünhof antwortete, das Besucherbergwerk sei gut für die Außendarstellung der Stadt. Im Laufe der Jahre sei er selber zu einem echten Fan des Bergwerks geworden und er wolle sich dafür einsetzen, dass für den Posten des Geschäftsführers eine Lösung gefunden werde. Alternativ könne hier auch ein städtischer Beschäftigter die Leitung übernehmen. Mit welchen Maßnahmen kann die schlechte Parkplatzsituation geändert werden? Zuallererst wolle er die Radwege in Schuss bringen und den Radverkehr generell fördern, denn wenn in Barsinghausen mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren würden, würde sich auch Lage bei den fehlenden Autoparkplätzen entspannen. Sollte die Ansiedlung eines großen Einkaufmarktes bei Volkers Hof umgesetzt werden, müsse für den Bereich natürlich ein gutes Parkplatzkonzept entwickelt werden. Generell sollten für zusätzliche Parkflächen aber keine Grünflächen geopfert werden, unterstrich Schünhof. Als spannend stufte er die Frage ein, ob Barsinghausen mit der Betitelung als Luftkurort touristisch an Bedeutung gewinnen könnte. Eigentlich spreche nichts gegen diese Idee, so der Sozialdemokrat. Zum Thema Stadtbus sagte Schünhof, das Konzept mit dem ZOB am Barsinghäuser Bahnhof als Schnittpunkt, von dem die Busse in verschiedenen Takten abfahren würden, sei grundsätzlich gut, wichtig sei aber auch, dass der Stadtbus die Bunsenstraße mit den dortigen Geschäften ansteuere. Ob die Etablierung eines Rufbusses zu Verbesserungen führe, müssten die Erfahrungen in anderen Kommunen zeigen. Wären eine Privatisierung oder die Schließung Lösungen für den defizitären Betrieb des Deisterbads? Schünhof lehnte sowohl eine Schließung als auch Privatisierung klar ab. Das Bad sei bei den Stadtwerken gut aufgehoben, auch weil dort fähige Leute arbeiteten, die Ahnung von technischen Instandsetzungen hätten. Zudem werde das Deisterbad sehr gut besucht. In privater Hand würde vieles nicht mehr so funktionieren wie jetzt. Zum Thema Wasserversorgung und zu der Frage, ob ein Verbund mit anderen Kommunen oder mit einem privaten Wasserversorger zu Verbesserungen führen könnte, sagte der SPD-Mann, der Verkauf von Trinkwasser komme nicht in Frage. Barsinghausen verfüge grundsätzlich über ausreichend Wasser und die Versorgung würde mit dem Neubau des Wasserwerks auf Jahre hinweg sichergestellt. Wäre die Etablierung einer städtischen Vertrauensperson oder eines Ombudsmannes sinnvoll, damit Bürger einen Ansprechpartner für ihre Anliegen und Beschwerden hätten? Um den Service für die Bürger zu verbessern, sei ein Ombudsmann nur die allerletzte Lösung. Besser wäre es – nach dem Vorbild der freien Wirtschaft – Rufgruppen in der Verwaltung einzurichten, meinte Schünhof. Ob es in Ordnung gewesen sei, dass Bürgermeister Marc Lahmann seinen Unmut gegenüber anderen politischen Akteuren auf der offiziellen Internetseite der Stadt Ausdruck verliehen habe, lautete die nächste Frage. Dazu Schünhof: Diese Äußerungen seien an dieser Stelle nicht angebracht gewesen, denn die Bürger erwarteten auf der Seite Informationen und keinen politischen Kleinkrieg. Der Bürgermeister müsse die Stadt nach außen vertreten. Für die eigene Meinung des Verwaltungschefs sei der städtische Internetauftritt der falsche Platz. Welche „Chef-Eigenschaften“ sollte ein Bürgermeister haben und wie viel Freiheiten sollte er den Mitarbeitern bei Entscheidungen zubilligen? Wenn man den autoritären Führungsstil überzieht besteht die Gefahr, dass sich die Mitarbeiter nicht mehr zutrauen und dann muss man am Ende alles selber entscheiden, so Schünhof. Er selber plädiere für einen kooperativen Führungsstil und wolle sich auf seine qualifizierten Mitarbeiter verlassen können. Es müsse darum gehen, die vorhandenen Kompetenzen zu nutzen und die Teamarbeit zu fördern. Immerhin arbeiteten in der Verwaltung Fachleute und es sei ebenso klar, dass auch ein Bürgermeister nicht alles wissen könne. Zum katastrophalen Zustand der Egestorfer und Stoppstraße erklärte Schünhof, die Bürger seien sehr an Verbesserungen interessiert. Gleichwohl müsse allen klar sein, dass es hier um erhebliche Kosten gehe, darum sei jetzt ein Dialog mit der Region Hannover auf Augenhöhe nötig, denn die Region werde man als Partner brauchen, um beim Land was erreichen zu können. Leider habe zuletzt das Zusammenspiel der Stadt mit der Region nicht gut geklappt – das wolle er ändern. Wo sollten künftige Wohnbaugebiete ausgewiesen werden – in der Landschaft oder dort, wo es bereits Siedlungen gebe? Hier würden sich mehrere Möglichkeiten anbieten, so Schünhof. Erstens sei die Bebauung hinter vorhandenen Häusern auf freien Flächen von Grundstücken möglich und zweitens könnten Bereiche entlang der S-Bahn-Strecke für neue Bebauungen genutzt werden. Man brauche einen gesunden Mix aus Verdichtung der Wohnbebauung und einer Weiterentwicklung der Ortsteile. Um erschwingliche Mieten für die Menschen zu erreichen, seien zudem auch Geschossbauten nötig, die allerdings nicht auf der „grünen Wiese“ errichtet werden sollten. Wie können der Sport und insbesondere die Vereine von der Stadt unterstützt werden und wie sollte diese Förderung konkret aussehen? Dazu erklärte Schünhof, die Mittel für die Sportförderung seien zuletzt verdoppelt worden. Zudem werde momentan an einem Konzept für die Sportstätten gearbeitet. Hier müsse man noch abwarten, an welcher Stelle Mittel gebraucht würden. Abschließend betonte Schünhof, dass auch die finanzielle Förderung für den Kulturbereich voll und ganz gerechtfertigt seien, denn der Mensch sei nun einmal ein Kulturwesen und die Bürger seien sehr an kulturellen Veranstaltungen interessiert. Im Kulturzentrum „Krawatte“ würden derzeit große Räumlichkeiten ausgebaut und nutzbar gemacht. Diese seien auch gut für schulische Veranstaltungen geeignet.

Foto: ta