„Die Summe der Belastungen ist nur schwer zu ertragen”

Corona und wirtschaftliche Belastungen: Sorgentelefone sind für Landwirte ein wichtiges Ventil

REGION (red). Wie geht es weiter? Mit dem Hof, mit der Familie, mit einem Selbst? Diese Fragen kochen besonders in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr in vielen bäuerlichen Familien hoch. Zu den fast schon traditionellen Eheproblemen und den Generationskonflikten zwischen Hofnachfolger und Altenteiler belasten in diesem Jahr die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie und die schlechte wirtschaftliche Situation auf den Höfen die Bauernfamilien, schreibt der Landvolk-Pressedienst. „Konnte man in normalen Zeiten auch mal zur Jagd mit anschließendem geselligem Beisammensein gehen oder in der Nachbarschaft den Adventskranz aufhängen, macht sich nun Einsamkeit breit“, erläutert Constanze Brinkmann, Leiterin der ländlichen Familienberatung und des landwirtschaftlichen Sorgentelefons in Niedersachsen. Vor allem, weil in der Landwirtschaft Beruf und Familie so eng verwoben seien, fehle nun der Kontakt zu anderen Menschen. „Die Summe der Belastungen ist nur schwer zu ertragen, wenn man keinen zum Reden hat“, macht Brinkmann deutlich. Sie bietet den Familien an, sich an die landwirtschaftlichen Sorgentelefone zu wenden, wenn ein Ventil und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte benötigt wird. Am Telefon sitzen Menschen, die aus dem landwirtschaftlichen Bereich kommen und sich daher gut in die Situation der Landwirte hineinversetzen können. Dort kann der Anrufer anonym seine Situation schildern, die Berater stellen gezielte Fragen und versuchen, mit viel Einfühlungsvermögen den Betroffenen erste Lichtblicke zu eröffnen und wieder ins Handeln zu bringen. Vor allem, wenn Gespräche in der Familie schwierig seien, helfe das Gespräch mit den ausgebildeten und geduldigen Zuhörern am Sorgentelefon, einen Ausweg aus einer scheinbaren Sackgasse und neuen Mut zu finden.

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