Fachwerkhaus am Thie: Mehrheit im Bauausschuss stimmt für die Sanierung

Befürworter und Gegner des Projekts liefern sich Schlagabtausch / Spannend wird die von der Verwaltung zu erstellende Kostenaufstellung

BARSINGHAUSEN (ta). Mit acht Ja-Stimmen von SPD und Grünen hat im gestrigen Bauausschuss eine Mehrheit dafür gestimmt, dass die Verwaltung mit einer Kostenberechnung betreff der Sanierung des alten Fachwerkhauses am Thie beauftragt wird. Vier Gegenstimmen kamen von der CDU-Fraktion. SPD und Grüne plädieren dafür, in der großen Diele im Erdgeschoss eine multifunktionale Büro- und Begegnungsfläche einzurichten und dort unter anderem das Tourismusbüro anzusiedeln, weitere Mietflächen für Verbände und Beratungsstellen einzurichten, das Obergeschoss mit ein bis zwei Mietwohnungen zu bestücken sowie optional auch die Schaffung einer öffentlichen Toilette zu prüfen.

Grünen-Ratsfrau Bärbel Cronau-Kretzschmar warb, mit dem Erhalt des rund 200 Jahre alten Gebäudes könne die Attraktivität der Innenstadt gestärkt werden, während die zehn Jahre währende Phase des Leerstandes lediglich einen Schandfleck am Thie dargestellt habe. Insbesondere eine für die Bürger offen begeh- und nutzbare Diele könne zur Steigerung der Aufenthaltsqualität beitragen. SPD-Ratsherr Andreas Lorch sagte, es sei klar, dass eine Sanierung Geld kosten werde, aber hier werde kein Steuergeld verschwendet oder gar ein Millionengrab geschaffen, denn zum einen könnten die jetzigen Mietkosten für das Tourismusbüro gespart und zum anderen würde die Stadt mit den zwei Wohnungen auch Mieteinnahmen erzielen.

CDU-Ratsherr Max Matthiesen hielt dagegen und erinnerte daran, dass die Verwaltung die Sanierungskosten schon vor rund zwei Jahren auf 2,5 bis 2,6 Millionen Euro geschätzt hatte. Dem rot-grünen Antrag fehle es an solider Finanzierung und das gesamte Projekt stelle eine Luxus-Maßnahme dar. Zudem könnten Verbände an anderer Stelle günstiger unterkommen, so Matthiesen. Kerstin Beckmann von „Aktiv für Barsinghausen“ stellte klar, dass das vorliegende Konzept nicht überzeuge. Grundsätzlich sei der Erhalt von alten Häuser wichtig, daher tue sich die AFB-Wählergemeinschaft etwas schwer mit der Ablehnung des Antrags. Eine wirkliche Frequentierung des Hauses sei aber mit den formulierten Nutzungen nicht zu erwarten. So werde das Fachwerkhaus nicht zu einem Bringer für die Innenstadt. Generell vermisse sie eine wirkliche Prioritätensetzung, so Beckmann. Als Beispiel nannte sie, dass es noch kein Konzept für eine Nachnutzung für die Bert-Brecht-Schule gäbe, wenn die Förderschule Lernen in wenigen Jahren auslaufe. FDP-Ratsfrau Kerstin Wölki betonte, für das sich im Besitz der Stadt befindliche Fachwerkhaus seien konkrete Kosten und ein Nutzungskonzept nötig. Würde dort nicht vielleicht ein Restaurant oder Café besser reinpassen, fragte sie.

Fotos: privat (1) / ta (2)