Fischotterbaby Nemo ist der neue Besucherliebling im Wisentgehege

SPRINGE (red).

Buchstäblich in letzter Minute hat Tierpflegerin Heike Brömer ein Fischotterbaby gerettet. Ihm drohte das Ertrinken. Am Heiligabend war ein Baum auf das Ottergehege gefallen. Nicht nur das, Sturm Zoltan und Dauerregen hatte schwere Überschwemmungen im Wisentgehege ausgelöst. Bei der Zählung von den Ottern am 2. Feiertag fehlte Fischotter Nummer 4, ein halb erwachsenes Jungtier. Während der Suche entdeckte die Tierpflegerin nicht nur Otter 4, sondern auch Otter Nummer 5. Das Fischotterbaby war zu diesem Zeitpunkt etwa 2 bis 3 Tage alt. Es fehlten nur noch wenige Zentimeter, dann wäre der Kleine ertrunken. Um das Baby zu retten, zog Melina Hennig, die Tochter von Wisentgehegeleiter Thomas Hennig, den Winzling mit der Flasche auf. Der Otter, der den Namen Nemo bekam, wog nur 129 Gramm. Sie fütterte ihn in den ersten Lebenswochen alle zwei Stunden mit Aufzuchtmilch. Nemo bekam ganz viel körperliche Nähe beim Kuscheln und beim Transport im Tragetuch am Körper. Sein erstes Kuscheltier hatte einen akkubetriebenen Herzschlag, wenn die Ziehmutter einmal Pause benötigte.

In der selbst gebauten und durch Waschbäraufzucht bereits bewährten Aufzuchtbox verbrachte er die Ruhephasen seiner ersten Lebenswochen. Ab der 7. Lebenswoche gab es ergänzend zur Milch verschiedene Sorten Fisch (Lachs, Forelle, Kabeljau), aber auch Eier, Eintagsküken, Putenherzen, Krabben, Garnelen. Die ersten Milchzähne brachen schon mit 14 Tagen durch. Etwa am 34. Tag öffnete das Fischotterbaby seine Augen.

Mit ca. zwei Monaten lernte Nemo Wasser als Medium kennen. Zunächst im warmen Aquatrainingsbecken in der Tierarztpraxis Kloene – dann auch im Bachlauf der Kleinraubtieranlage und im Badebecken im Garten. Er musste schwimmen lernen. Das ist den Ottern nicht angeboren. Auch Nemos Fell hat noch längst nicht die Dichte, wie bei seinen erwachsenen Artgenossen. Erwachsene Fischotter haben bis zu 70.000 Haare pro Quadratzentimeter. Noch wird Nemo klitschnass und friert irgendwann. Also Handtuch her und trocken rubbeln. Nemo ist unglaublich verspielt, liebt Geschenkband, Bälle und seine Kuscheltiere. Beste tierische Freunde sind Hennigs Labrador Mila und Hütehund-Mix Clyde von Tierpflegerin Heike. Mit drei Monaten wog Nemo 2,2 Kilogramm. Sein Spielen ist rabiater geworden und die spitzen Zähnchen können schon richtig weh tun. Mittlerweile ist der Zahnwechsel längst abgeschlossen und Nemo bringt stattliche vier Kilogramm mit auf die Waage. Etwa mit drei Jahren wird Nemo erwachsen sein. Eine Eingliederung bei den anderen Ottern ist nicht möglich. Otter sind Einzelgänger und dulden keine fremden Otter im Lebensraum.

Inzwischen hat Nemo eine eigene Anlage in der Kleinraubtieranlage. Besucher können ihn in der ehemaligen Mink- / lltisanlage bewundern. Ziehmutter Melina besucht ihn jeden Tag. Sie ist sicher, das Nemo zum Besucherliebling werden wird, wie die Reaktionen bei den täglichen Spaziergängen zeigen. Und dann ist noch die Outdoor-Ausstellung „Tierischer Humor“ des Karikaturisten Uli Stein im Wisentgehege zu sehen. Noch bis Mitte Oktober laden die tierisch lustigen Cartoons, in denen Alltagssituationen und die Schwächen der Spezies Mensch gezeigt werden zum Schmunzeln ein.

Fotos: Hennig / Wisentgehege