Interaktive Ausstellung „Die Farbe der Würde“ vom Kunstverein Barsinghausen zieht die Blicke auf sich

Yvonne Salzmann zeigt ausdrucks­starke Werkschau in der Krawatte

BARSINGHAUSEN (red). Wie Gesichter aussehen, die Würde ausstrahlen, kann mensch sich augenblicklich in einer Foto-Ausstellung in der Kulturfabrik Krawatte in Barsinghausen ansehen. Die Künstlerin Yvonne Salzmann zeigt in einer ausdrucks­starken Werkschau Bilder von Menschen in höchst unterschiedlichen Lebenssituationen, die alle eins gemein­sam haben – die Photographin kommt ihnen nahe und zeigt, was sie bewegt. Seien es die Motive aus den Town­ships im südafrikanischen Johannisburg, die Portraits der Zirkusleute oder Insassen und Wärter einer JVA – die Bilder sind eine ästhetische Aufforderung nach dem zu suchen, was uns alle verbindet. Der Mensch als Selbstzweck (Kant), der in seiner Existenz als Subjekt jedes Anrecht darauf hat, respekt- und würdevoll behan­delt zu werden.

Würde ist die große inhaltliche Klammer, die sich auch in den weiteren Darstellungen zeigt. Obdachlosigkeit, überblendete Kriegsfotos oder die eigene Verletzlichkeit. Die Künstlerin als Subjekt macht sich bei Thema Würde auch selbst zum Objekt und zeigt sich schonungslos in einer für sie selbst äußerst schmerzhaften Lebensphase. Auf diesen Zusammenhang wies auch Stefan Wolf hin, der zur Einführung sprach. Würde ist nicht nur das, was wir spüren, wenn uns andere mit Respekt begegnen, sondern auch eine Frage der Selbst­wahr­nehmung. Nur wer auch kritisch zu sich selbst auf Distanz gehen kann, wird sich und anderen beim Thema Würde gerecht. Ein politischer Appell an alle, die sich vorschnell in den öffentlichen Debatten zu Wort melden und ihre Moral über andere stellen. Gleich welche Konflikte, Kriege oder Attentate wir betrachten, so der Philo­soph, es sei wichtig, bei den Menschen zu bleiben und ihr Leid zu sehen, also sie in ihrer verletzten Würde wahrzunehmen.

Die Vernissage wurde vor mehr als 50 Gästen musikalisch von der Band „Sound of Hope“, die aus einem Geflüchtetenprojekt hervorging, begleitet und vom Vorsitzenden des Kunstvereins Carsten Hettwer er­öffnet. Er dankte auch den Sponsoren, allen voran der Erhard-Friedrich-Stiftung aus Hannover. In den nächsten zwei Wochen werden auch Schulklassen die Ausstellung besuchen und sich mit Würde als Thema im Unterricht befassen. Die Vermittlung der Kunst ist auch Yvonne Salzmann eine Herzensangelegenheit, die dazu über ihre künstlerische Arbeit hinaus in vielen Bildungsprojekten und therapeutischen Zentren aktiv ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 17.3. geöffnet.

Termine zur Ausstellung:

  1. 8. März Weltfrauentag – Dr. Ute Maasberg, Kunsthistorikerin, referiert über ‚Frauen in der Kunst‘ 19 Uhr
  2. 12. März Podiumsdiskussion zum Thema Obdachlosigkeit mit Dr. Stefan Wolf und Katharina Sterzer vom Asphalt-Magazin 19 Uhr
  3. 17. März, 17 Uhr Finissage

Öffnungszeiten der Ausstellung: Samstag und Sonntag 14. bis 18 Uhr

Fotos: Yvonne Salzmann