BARSINGHAUSEN (red).
Barsinghausens Stadtarchivarin Katharina Valenty und Matthias Wuttig, Leiter des Gebäudewirtschaftsamtes, haben gemeinsam mit Bürgermeister Henning Schünhof in den vergangenen Wochen die Zeitkapsel der Wilhelm-Stedler-Schule geöffnet und den Inhalt gesichtet. Neben der obligatorischen Tageszeitung vom 9. August 1952 enthielt auch Brie-fe von Schülerinnen und Schülern der damaligen Volksschule und zahlreiche Kopien. „Unter anderem sind Abschriften des Bauauftrages und der entsprechenden Ratsbeschlüsse in der Zeitkapsel eingemauert worden“, berichtet der Verwaltungschef. Henning Schünhof zufolge gibt der Inhalt „einen sehr vielfältigen und breit gelagerten Einblick in die frühen fünfziger Jahre in Barsinghausen, der an manchen Stellen auch zum Schmunzeln anregt“.
Dazu gehört unter anderem der Brief eines Schülers, in dem sich der Schreiber darüber Gedanken macht, welche Folgen der Neubau des Sporthotels Fuchsbachtal für die Anwohnerinnen und Anwohner hat. „Mich hat die Parallelität der Ereignisse beeindruckt, denn auch jetzt laufen die beiden großen Bauprojekte zeitgleich nebeneinander“, sagt Henning Schünhof schmunzelnd, „wobei festzustellen ist, dass sich manche Befürchtungen aus dem Jahr 1952 nicht bewahrheitet haben.“ Doch auch die anderen Briefe sind aus Sicht der Stadtarchivarin Katharina Valenty wichtige Dokumente der Zeitgeschichte. „Viele Jugendliche berichten von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges, die auch sieben Jahre nach Friedensschluss noch deutlich zu spüren sind. So beschreiben viele Mädchen und Jungen aus Vertriebenen-Familien die Hoffnungen der Elterngeneration, in absehbarer Zeit in ihre Heimat zurückkehren zu können.“ Aus dem Blickwinkel der Mentalitätsgeschichte seien die Briefe also sehr wertvoll.
In vielen Schreiben der Schülerinnen und Schüler nehmen indessen die olympischen Spiele in Helsinki breiten Raum ein. „Für die Jugendlichen war die Veranstaltung in der finnischen Hauptstadt offenkundig das bestimmende Ereignis im Hochsommer 1952, ergänzt Henning Schünhof. Die Strahlkraft der olympischen Spiele sei über die Jahrzehnte hinweg also ungebrochen, konstatiert er. Aufgrund des Erhaltungszustandes vieler Dokumente werden die Briefe, Abschriften und die Tageszeitung aus dem Jahr 1952 nicht wieder in die neue Zeitkapsel gesteckt. „Wir haben ein Fotobuch erstellt und auf besonders beständigem Papier drucken lassen“, so Amtsleiter Matthias Wuttig. Dieses werde mit den Abschriften der neuen Ratsbeschlüsse und Verträge sowie einer Tageszeitung am 27. Juni bei der Grundsteinlegung für die neue Wilhelm-Stedler-Schule in der Zeitkapsel eingemauert werden. „Die Hoffnung ist, dass die nächste Generation dann in 50 oder 70 Jahren dann in den Dokumenten von 1952 stöbern kann und vielleicht weitere Parallelen entdeckt, die zum Schmunzeln anregen“, sagt Matthias Wuttig abschließend.
Foto: Stadt
