Jungvögel brauchen keine Hilfe von Menschen: Bitte nicht auf- oder mit nach Hause nehmen

Naturschützerin Hannelore Owens klärt auf

BARSINGHAUSEN (red). „Derzeit gibt es bereits viele Jungvögel, allerdings können sie weder richtig fliegen, noch sich selbst versorgen. Diese sogenannten Ästlinge bleiben in Nestnähe auf Ästen sitzend oder auch am Boden und piepsen. Durch ihr Piepsen rufen sie aber nicht um Hilfe, sondern nehmen Kontakt mit ihren Eltern auf, um von ihnen gefüttert zu werden. Diese Jungvögel bitte nicht aufnehmen oder gar mit nach Hause nehmen, um sie aufzupäppeln. Das gelingt in dem meisten Fällen nicht und ist außerdem verboten“, berichtet Naturschützerin Hannelore Owens. Sie sollten nur dann aufgenommen werden, wenn sie sich in einer Gefahrenzone, z.B. an einer Straße oder auf einem Gehweg befinden. Dann sollten sie am Fundort auf eine Astgabel oder zurück in das Nest gesetzt werden. Anders als bei Säugetieren würden sie von den Altvögeln wieder angenommen. Man sollte übrigens auch darauf achten, dass sich Nistkästen, die in Bäumen angebracht wurden, außer Reichweite von Katzen befinden, rät die Naturschützerin. Um sicher zu gehen, könne man eine ca. 50 Zentimeter breite Abwehrmanschette aus Blech/Kunststoff oder Brombeerranken in einer adäquaten Höhe um den Stamm befestigen, die Katzen ein Klettern unmöglich machen. „Wer Katzen besitzt, sollte vor allem von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Morgenstunden die Tiere nicht aus dem Haus lassen“, bittet Owens. Freigänger mit einem Halsband und einem Glöckchen zu versehen, mache zwar die Vögel auf die Katze aufmerksam, nütze den Jungvögeln aber gar nichts, zudem sei das Klingeln für die Katze äußerst störend.

Man sollte auch daran denken, Futterhäuschen oder Vogeltränken mit einem Abstand von zwei Metern vom Gebüsch entfernt aufzustellen, damit sich Katzen nicht von den Vögeln unbemerkt anschleichen können. Vogeltränken sollten unbedingt immer sauber gehalten und mit frischem Wasser bereitgestellt werden. „Seit einigen Jahren sterben Grünfinken an Trichomonaden, einem tödlichen Krankheitserreger, das ist gemäß Naturschutzverbänden auf unsaubere Wasser- und Futterstellen als Ansteckungsherde zurückzuführen. Wer Wasser oder Futter für Vögel bereitstellt, sollte unbedingt auf Sauberkeit achten, insbesondere dort, wo Vogelkot für eine Verunreinigung sorgen könnte“, sagt Owens. Die Naturschützerin befürwortet das Füttern auch im Sommer, allerdings solle man während die Jungvögel noch gefüttert werden, möglichst kleine, fettarme Sämereien von heimischen Wildkräutern, Insektenfutter (frisch oder aufgetaut) anbieten. Fettfutter könnten Jungvögel schlecht verdauen und wenn die Vogeleltern zu große Nahrung, wie z.B. Sonnenblumenkerne verfüttern, könnten die Jungvögel daran ersticken. „Wer einen Garten hat, sollte diesen naturnah gestalten, mit Pflanzen, die Vögeln und anderen Tieren das ganze Jahr über Futter, Brutplätze und Schutz bieten. Das wäre ideal“, rät  Owens abschließend.

Text: Hannelore Owens / Foto: C.D. Böhm (NABU)