Jusos putzen Stolpersteine

BARSINGHAUSEN (red).

Die Jusos Lars Erik Lange (v.li.), Viktoria Woronin und Finn Bartholdy und der ehemalige Stadtarchivar Eckard Steigerwald

Nach pandemiebedingtem Ausfall im vergangenen Jahr haben die Jusos Barsinghausen am vergangenen Samstag wieder ihre Stolpersteinaktion durchgeführt. Im Rahmen dieser haben sie die zur Erinnerung an die durch die Nationalsozialisten ermordeten Bürgerinnen und Bürger Barsinghausens im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine geputzt. Zusätzlich informierte sie der ehemalige Stadtarchivar Eckard Steigerwald über die Geschichte der Familie Seligmann, die ebenfalls Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geworden ist. Seit 1897 hatte Carl Seligmann in Barsinghausen eine Schlachterei betrieben, ehe er sie 1930 seinem Sohn Erich übertrug, der im August 1940 mit seiner Frau und seiner Tochter noch in die USA emigrieren konnte. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurden sowohl Carl als auch Erich Seligmann verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar verschleppt. Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager trieb Erich Seligmann seine bereits im Vorfeld begonnenen Ausreisebemühungen weiter voran, in Zuge derer er auch das Grundstück samt Haus in der Rehrbrinkstraße verkaufte. Ende März 1939 verließen daher auch Carl und Fanny Seligmann Barsinghausen und zogen nach Hannover. Am 15. Dezember 1941 wurden sie von der Sammelstelle Ahlem aus nach Riga deportiert und dort wahrscheinlich ermordet. Bereits 1924 hat die Tochter Carl Seligmanns, Irma Seligmann (später Golowian), durch eine Heirat die polnische Staatsangehörigkeit erlangt. Infolge dessen war sie im Juni/Juli 1939 von der zweiten sogenannten „Polenaktion“ betroffen, bei der tausende Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit mit Gewalt über die deutsch-polnische Grenze getrieben wurden. Wahrscheinlich wurde sie nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 verschleppt und letztlich 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. „Es macht einen betroffen, sich vor Augen zu führen, was auch hier in Barsinghausen unschuldigen Bürgerinnen und Bürgern angetan wurde – umso mehr, weil in heutigen Zeiten antisemitische Übergriffe wieder zunehmen“, so die Vorsitzende der Barsinghäuser Jusos, Viktoria Woronin. Finn Bartholdy ergänzt: „Im Laufe der Zeit läuft das Messing der Stolpersteine dunkel an und verdreckt, sodass diese nicht mehr so auffallen. Durch das Putzen können die Steine ihre Funktion, den Menschen aufzufallen und so an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, wieder erfüllen.”

Foto: privat