Gravierender Artenrückgang auch in Barsinghausen
BARSINGHAUSEN (red). Im Rahmen der Naturschutzbeobachtungen fragte die Ökostation Deister-Vorland Anfang Juli: Wo lassen sich in Barsinghäuser Gärten und Vorgärten noch Kreuzspinnen entdecken? Lediglich drei aufmerksame Barsinghäuserinnen wurden fündig und teilten ihre Beobachtungen mit. Die Ökostation bedankt sich ganz herzlichen dafür. Aber während man noch vor wenigen Jahren die kunstvollen Netze der Gartenkreuzspinne oft bis häufig wahrnehmen konnte, scheint nun ein dramatischer Rückgang eingetreten zu sein. Warum?
- Insekten: Das Fehlen der Nahrungsgrundlage – Insekten, die mit dem Spinnennetz gefangen werden sollen, gibt es kaum noch. Jede/r kann diesen Rückgang selbst feststellen. Ob es z.B. das Tanzen von kleinen Fliegen in der Abendsonne ist, oder ob die manchmal auch lästigen Gewitterfliegen fehlen und ob es noch viel deutlicher der Rückgang bei größeren Insekten wie z.B. der Schmetterlinge ist – wir müssen einen erheblichen Ausfall festhalten. Und damit natürlich auch ein Ausfall bei den Fressfeinden, die ebenso in Not sind – die verschiedensten Vogelarten im Garten und in der Flur..
- Insekten und Landwirtschaft: Der großflächige Anbau von Monokulturen und der dafür notwendige Pestizideinsatz sind Hauptursache für den massiven Rückgang der Insektenpopulationen, der in einigen Teilen Deutschland bereits 70% beträgt.
- Klima: Die Wetter-Kapriolen – insbesondere im tropisch heißen Juni – sind für Arten aus den gemäßigten Breiten offenbar nicht mehr oder nur schlecht auszuhalten. Sie können vertrocknen. Paarungen bei Kreuzspinnen im August mit der Eiablage in Kokons im September/Oktober sind kaum noch zu erwarten. Für das kommende Jahr wird es eine ähnliche Prognose geben. So erschwert die Klimakatastrophe der Gartenkreuzspinne das Überleben, wie auch vielen anderen heimischen Tierarten.
1. Private Flächen und öffentliche Bereiche: Geschützte, ökologisch gestaltete Naturräume schaffen – Gärten, Wiesen, Hecken, abgestorbene Bäume als Totholz lassen. Den Kleinlebewesen, wie Insekten und Spinnen, damit vielfältige ökologische Strukturen anbieten. Solche Naturräume müssen gut wasserversorgt und nach Möglichkeit auch hitzegeschützt sein. Wie ökologische Gärten und Vorgärten eingerichtet werden können, ist längst bekannt. Die vielen Privatbesitzer sind verantwortlich und können hier aktiv werden. Eine offizielle Kampagne der Stadt würde hier deutlich weiterhelfen – „Barsinghausen, eine Stadt gestaltet ihre Gärten aktiv ökologisch und Klima-angepasst“
2. Die Intensiv-Landwirtschaft benutzt etwa 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Anbau von Tierfutter. Damit wird die Massentierhaltung zum Hauptverursacher der ökologischen Probleme. Von ca. 40 Millionen Tonnen jährlich geerntetem Getreide werden 50% verfüttert, nur 22% sind für die menschliche Ernährung (12% für Energiegewinnung, 8% fürs Bier). Also: Massentierhaltung beenden, Getreide ökologisch erzeugen – weniger Fleisch ist mehr Natur und gesünderes Menschenleben heute und in Zukunft.
Fotos: privat
