Leserinnenbrief zur Stellungnahme von CDU, FDP und AFB zur Absage einer gleichstellungspolitischen Diskussion

Stellungnahme von Sybille Busse

BARSINGHAUSEN (red). „Die Gleichstellungsbeauftragte hatte eingeladen, sich über frauenpolitische Aspekte von Kommunalpolitik auszutauschen. Kandidatinnen einiger Parteien hatten offenbar zugesagt (GRÜNE, SPD, ?) andere nicht. Natürlich ist es konsequent, die Veranstaltung unter diesen Umständen abzusagen. Ein Meinungsaustausch innerhalb einer Gruppe, die sich vermutlich relativ einig ist, bringt keine neuen Impulse. Nun aber eine, von mir so eingeordnete, Rechtfertigung für die Nicht-Teilnahme von CDU, FDP und AfB – das ist spannend, denn da werden Konfliktlinien deutlich. Allerdings drängt sich mir die Frage auf, warum die Gegnerinnen einer frauen- bzw. gleichstellungspolitischen Diskussion nicht den Austausch mit den politisch anders Denkenden suchen. Das ist schade, denn so könnten Wähler*innen besser urteilen und Wahlentscheidungen treffen, und zwar Frauen, Männer und alle darüber hinaus. Es gibt doch keine CDU- oder SPD-Angsträume am Bahnhof oder AfB- oder GRÜNEN-Frauenberatungsstellen! Auseinandersetzen muss man sich über die Probleme und dann im Rat oder der Regionsversammlung Mehrheitsentscheidungen treffen. Aber ohne Diskussion? Es hätte eine hochinteressante Veranstaltung werden können, wenn es derart unterschiedliche Meinungen gibt. Nochmals: schade. Einen weiteren Aspekt greife ich auf: ich glaube nicht, dass alle kommunalen Aufgaben gelöst werden können, ohne die jeweils Betroffenen zu beteiligen. Da wären beispielsweise Sportvereine, Kulturtreibende, Anlieger*innen von Baugebieten, Senior*innen, junge Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen, … Frauen aber nicht? Oder Männer, wenn sie denn besondere Anliegen haben? Oder queere Menschen? Was denken CDU, AfB und FDP darüber? Deswegen ein drittes Mal schade, dass diese Diskussion nicht stattfindet, sondern nur schriftlich ausgetragen wird.“

Sybille Busse, Barsinghausen

Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Nicht alle Zuschriften können veröffentlicht werden.