Mitreden für Menschen in Not: Woche der Diakonie startet mit Gottesdienst

BARSINGHAUSEN (red).

Mit dem 1. Sonntag im September beginnt traditionell niedersachsenweit die “Woche der Diakonie”. In dieser Zeit laden Kirchengemeinden, Kirchenkreise und diakonische Einrichtungen besonders zu Veranstaltungen ein, werben und würdigen vor allem auch das Engagement von diakonisch tätigen Menschen. Die Eröffnung für den Diakonieverband Hannover-Land, der die Kirchenkreise Burgdorf, Burgwedel-Langenhagen, Laatzen-Springe, Neustadt-Wunstorf und Ronnenberg umfasst, fand am Sonntag, 6. September, mit einem Open-Air-Gottesdienst vor der Klosterkirche Barsinghausen statt – musikalisch begleitet von der Jugendband der Mariengemeinde.

“Reihum ist jedes Jahr die Eröffnung in einem der fünf Kirchenkreise. In der Diakonie-Kampagne “Unerhört” rückt in diesem Jahr das zuhören und auch das Mitreden in den Mittelpunkt”, erklärte Superintendentin Antje Marklein in ihrer Begrüßung. Was diese konkret bedeutet, erzählten Gisela Rose vom Geburtstagsbesuchsdienstkreis und Petra Beuse vom Willkommenskreis der Gemeinde im Gespräch mit Kirchenkreissozialarbeiterin Andrea Schink. “Ach, dann bin ich heute nicht so allein”, habe sie vor kurzem von einer Jubilarin gehört, die sonst keinen Besuch an ihrem Geburtstag hatte. Und Petra Beuse berichtete von vielen Aktivitäten mit Geflüchteten in den letzten Jahren. “Wenn wir uns nicht einsetzen, wer hört sie dann?”, fragte sie. Aktuell setze sich die Gruppe dafür ein, dass endlich auch ein WLAN-Anschluss in den Flüchtlingsunterkünften eingerichtet wird, auch weil die Corona-Pandemie gezeigt habe, wie wichtig dieser für das Lernen von Schülerinnen und Schülern ist. In einer gemeinsamen Predigt schlugen Uta Junginger und Antje Marklein einen Bogen vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten hin zur heutigen Zeit. “Mose bekam von Gott den Auftrag, zum Pharao zu gehen, damit das Volk aus der Sklaverei befreit wird. Er hat ‚100‘ Gründe dagegen vorgebracht, aber Gott ließ nicht locker”, erzählte Uta Junginger. Ähnlich sei es in der Diakonie. “Manchmal gibt es kein Zurück, dann muss ich Partei ergreifen, Fürsprecherin werden und nicht Zuschauerin bleiben”. Dieses Engagement, zum Beispiel auch für Geflüchtete, kann anstrengend sein. Doch nicht nur das Handeln, auch das Reden, die Stimme zu erheben für die Schwächsten gerade in der Corona-Zeit sei wichtig und auch nicht zu schweigen, wenn ich eine andere Meinung habe, meinte die Superintendentin. Zum Glück – das zeige auch der Auftrag Gottes, der an Mose und seinen Bruder Aaron gehe – stelle Gott uns andere Menschen zur Seite. “Wir können gemeinsam handeln”. Nach dem Gottesdienst würdigten Geschäftsführer Jörg Engmann vom Diakonieverband Hannover-Land, außerdem der stellvertretende Bürgermeister Dr. Max Matthiesen und die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz das Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen – vor allem auch unter den erschwerten Bedingungen in der Corona-Pandemie. “Das Zuhören und wahrnehmen bringt uns auch zum Mitreden. Verstummte reden wieder und Not wird in Handlung verwandelt”, meinte Jörg Engmann. Die Diakonie nehme in der Stadt und im Kirchenkreis soziale Verantwortung wahr, sagte Dr. Max Matthiesen. “Als Stadt haben wir die Bedeutung zum Beispiel der sozialen Schuldnerberatung immer ernst genommen und uns finanziell beteiligt”, nannte er ein Kooperationsbeispiel. Und auch die stellvertretende Regionspräsidentin würdigte den Diakonieverband als verlässlichen Partner in der Region. In Corona-Zeiten nehme die Bedeutung zu – und die Region wolle so gut helfen, wie es irgend geht. Die Diakonie mit ihren Angeboten sei aus der Region nicht wegzudenken, so die Regionspolitikerin.

Fotos und Text: Freitag