Naturschützer kritisieren die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets am Calenberger Kreisel

BARSINGHAUSEN (red).

„BUND und NABU kritisieren die geplante Gewerbegebietserweiterung am Calenberger Kreisel auf das Schärfste. Angesichts der ungebremsten Versiegelung und Überbauung von Böden, deutschlandweit handelt es sich um 52 Hektar oder 73 Fußballfelder täglich (!!!), sollte mit unserem begrenzten Grund und Boden sensibler umgegangen werden. Am Sonntagvormittag trafen sich neun Naturschützer*innen an Ort und Stelle und inspizierten das bisherige Gewerbegebiet. Der riesige bereits maßlos platzverschwende überbaute Bereich und die kahlen, baumfreien, aber stark vermüllten Flächen mit den Baustoffresten entsetzten uns alle. Zum Vergleich: allein auf dem BBM-Gelände könnten 1000 Bürger*Innen einen Wohnraum finden. Und nun plant die Stadt eine Erweiterung für das Gewerbe in östlicher Richtung bis hin zum Bullerbach-Biotop gegenüber von Bahlsen. Wir kritisieren diese unverhältnismäßige Verschwendung der Ressource Boden. Niedersachsen hat sich 2017 verpflichtet, den Flächenverbrauch pro Tag bis 2030 auf maximal vier Hekrar zu begrenzen, aber bei dieser neuen Gewerbefläche handelt es sich schon um ca. zehn Hektar. Dazu kommt die unmittelbare Nachbarschaft des Bullerbachs mit seinem Grüngürtel, der dort hinter dem Hundesportverein einen der schönsten und schützenswertesten Verläufe im gesamten Calenberger Land aufweist. Das breite, steinige, gewundene Bachbett mit teilweise hohen Uferböschungen, der unberührte Flachteich, der teilweise gewaltige urtümliche Baumbestand, die artenreiche Gehölz- und Bodenvegetation und die zahllosen Vogelstimmen sowie ein frischer Dachsbau zeugen von einem Stück seltener Natur, die man dort in Stadtnähe gar nicht vermutet.

Aber auch hier sieht man am Westrand bereits die Spuren des immerhin noch weit entfernten Gewerbegebiets: Plastikreste und Leichtverpackungen sind bereits herangeweht und gefährden das Idyll, spontan sammelten wir den Müll gleich auf. Wir fordern dringend einen ausreichenden Schutzabstand mit Wiesen oder Heckensträuchern von mindestens 20 Metern zum Bullerbachgelände und am Westrand des Schutzstreifens einen mindestens zwei Meter hohen Maschendrahtzaun gegen den herumfliegenden Plastikmüll. Dazu müssen auf dem alten und neuen Gelände möglichst viele Großbäume aus heimischer Herkunft gepflanzt werden, um an Ort und Stelle die Umweltbelastungen und das trostlose Ortsbild etwas zu kompensieren. Mit Cotoneasterbeeten oder monotonem Rasen ist es nicht getan, und Schotterflächen, die den Wüstencharakter dort verschärfen, gehören als zusätzliche Bodenvernichter ohnehin verboten.“

Foto: privat