Petruskirche bleibt per Video und E-Mail-Gottesdiensten in der Krise eine lebendige Gemeinde

BARSINGHAUSEN (red).

Auferstehung ohne Gemeinschaft? – Lange, weiß eingedeckte Tafeln zieren den Kirchenraum, wenn die Petrusgemeinde Barsinghausen am heutigen Gründonnerstag traditionell zum Agapemahl zusammenkommt. Bei Sahnehering und Kartoffeln feiern ihre Mitglieder in der Stillen Woche zum letzten Mal die Gemeinschaft. Dann schweigen die Glocken bis zum Ostersonntag. An diesem Donnerstag bleibt die Kirche leer; auch das Fest der Auferstehung Jesu Christi wird in diesem Jahr nicht wie sonst gefeiert. „Normalerweise wäre die Karwoche eine sehr menschliche Woche mit sehr besonderen Gottesdiensten“, sagt Pastorin Kristin Köhler. Doch normal ist derzeit nichts. Nicht in der Petrusgemeinde, nicht in der Welt. Schulen, Geschäfte und Gotteshäuser bleiben geschlossen. Richtig und verantwortungsbewusst seien die von Bund und Land ergriffenen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sagt die Pastorin. Deshalb hält sich der Kirchenvorstand daran. Die Gemeinde stellt das vor ungekannte Herausforderungen – nicht nur in der Osterwoche. „Gemeinschaft ist etwas Urchristliches. Glaube kann sich erst in Gemeinschaft entfalten“, sagt Kristin Köhler. Sie hat auf die neue Situation reagiert. Da die Menschen nicht mehr ins Gemeindezentrum kommen können, die Pastorin zu Gesprächen nicht mehr zu den Gemeindemitgliedern nach Hause, bleibt sie auf anderen Wegen mit ihnen im Gespräch. Per Telefon, auf dem Postweg oder digital. So verschickt sie etwa die Gottesdienste am Samstagabend per E-Mail an einige Gemeindemitglieder, anderen überbringt sie die Worte ausgedruckt auf Papier mit dem Fahrrad. So ist die Gemeinde am Sonntag trotz räumlicher Distanz in der Andacht miteinander verbunden. Gottesdienst zeitgleich nennt sich die Initiative des Michaelisklosters in Hildesheim, dessen Entwürfe die Pastorin für ihre Gemeinde überarbeitet. Anlass, als Gemeinde verbunden zu sein, bieten auch tägliche Gebete zum Glockengeläut um 18 Uhr, die Kristin Köhler über soziale Medien wie Facebook und WhatsApp sowie die Internetseite der Gemeinde verbreitet. „Teilweise erreiche ich so sogar mehr Menschen. Menschen, die aus verschiedensten Gründen am Sonntag nicht den Weg in die Kirche finden“, sagt sie. Am Baum des Lebens vor der Petruskirche finden Interessierte neben Anregungen für Gebete auch Impulse für Meditationen oder Ideen für Aktivitäten mit Kindern. „Für uns als Kirche, auch für mich persönlich, ist die Situation eine große Herausforderung. Ich stoße an meine kreativen Grenzen, kann nicht langfristig planen“, sagt die Pastorin. Gleichzeitig sieht sie darin eine Chance: „Man ist freier, kann sich ausprobieren und traut sich eher, neue Wege zu gehen“. Zudem sei der Austausch mit befreundeten Kolleginnen zurzeit intensiver denn je. Mit deren Hilfe ist auch ein Ostervideo für die Gemeinde entstanden. Die Pastorin entzündet darin die Osterkerze und liest aus dem Osterevangelium – wenn auch nicht in Anwesenheit der Gläubigen. „Die Botschaft, dass das Leben weitergeht und dass das Leben stärker ist als der Tod, hat auch in diesem Jahr Bestand. Es ist eine Botschaft, die persönlich berühren kann und nicht in Gemeinschaft erlebt werden muss“, sagt Kristin Köhler. „Wenn am Sonntag die Glocken läuten, egal wo wir sind, wir wissen, wir gehören zusammen und wir sind eins. Und vielleicht werden unsere Herzen dann auch berührt.“ Wer in den Verteiler für die Gottesdienste aufgenommen werden möchte, kann sich bei Pastorin Kristin Köhler melden. Telefonisch unter 05105 62178 oder per E-Mail an kristin.koehler@evlka.de

Gebete und das Ostervideo werden veröffentlicht auf www.kirchenkreis-ronnenberg.de/gemeinden/region-barsinghausen/petrusgemeinde-barsinghausen.

Foto: privat