Podiumsdiskussion über das Ende des Tenneco-Werks: Wie ist es um die soziale Verantwortung bestellt?

Mehr als 40 Besucher verfolgten die Diskussion in der Kulturfabrik Krawatte

BARSINGHAUSEN (red). „Das Ende von Tenneco im Zuge der Transformation aufgrund der Abkehr von fossilen Energieträgern, von dem diese Fotoausstellung erzählt, die hier zu sehen ist, ist nicht die erste Transformation die Barsinghausen erlebt. Wir waren der Zeit mächtig voraus, als in den späten 50er Jahren des letzten Jahrhunderts der Kohleabbau beendet wurde.“ Mit diesen Worten eröffnet Michael Pöllath vom DGB Barsinghausen die Podiumsdiskussion zum Thema „Gelungene Transformation“. Schon vor dem endgültigen Aus kümmerten sich Landes- und Kommunalpolitik sowie die Preussag AG aus sozialer Verantwortung um die Ansiedlung neuer Industrieunternehmen, so Pöllath weiter. Auf dem Gelände von Schacht 4 wurde dann auch das Werk von Teves gebaut, in dem viele ehemalige Bergarbeiter einen Arbeitsplatz fanden. Und genau dieses Werk wurde dann nach mehrmaligen Verkäufen, inzwischen unter dem Namen Tenneco geführt, geschlossen.

Mehr als vierzig Personen verfolgten die spannende Diskussion, die von Petra Köster von der Kooperationsstelle Hochschule und Gewerkschaften souverän moderiert wurde.

Svantje Michaelsen, MdB für die Grünen, betont, dass Transformation nur in Zusammenhang von ökologischem Umbau und sozialer Sicherung gesehen werden könne und nur in Kombination der beiden gelingen könne.

Matthias Miersch, ebenfalls Mitglied des Bundestags und Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Barsinghausens, stellt kritisch fest, dass gegenwärtig weder in der Ampel noch in der Wählerschaft eine Mehrheit zu finden sei, die die Mittel für die notwendigen Investitionen und die soziale Absicherung kreditfinanziert zur Verfügung stellen wolle.

Sascha Dudzik von der IG Metall Hannover macht deutlich, dass die Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Betrieben, die inzwischen durchaus die Problemlagen und auch die Notwendigkeit der Veränderung erkennen, sich inzwischen von der Politik alleingelassen fühlten. In dieser Situation der steigenden Anhängerschaft der AfD ein sehr heißes Eisen. Er stellt die Frage, warum Demokratie an den Werkstoren enden müsse und wie bei Tenneco die Konzerne den Profit bis zur letzten Stunde aus dem Werk abschöpfen, mit staatlicher Unterstützung wie Kurzarbeit Krisen überwinden und dann einfach mal entscheiden können: jetzt ist Schluss. Udo Sahling, Vorsitzender von Basche erneuerbar, betont nach der Öffnung der Diskussion für das Publikum, dass die Transformation ohne die rund 40 Mrd. Euro, aufgrund der von Merz durchgesetzten Schuldenbremse nicht machbar sei. Diese seien dringend für Investitionen und die soziale Abfederung vonnöten.

Am Ende der Veranstaltung, bei der noch viel Rede- und Diskussionsbedarf auch im Publikum besteht, weist Pöllath darauf hin, dass es zwar schwierig sei mit der lächelnd leidenden personifizierten schwarzen Null als Koalitionspartner, dass es aber trotzdem eines positiven gesellschaftlichen Entwicklungsszenarios bedürfe, um die Menschen auch als Wählerinnen und Wähler mitzunehmen. Mehr Demokratie gerade auch in Betrieben könne hierfür ein Anknüpfungspunkt sein. Ein spannender Diskussionsabend inmitten der Fotoausstellung im inzwischen gut angenommenen Soziokulturzentrum Krawatte.

Fotos + Bericht: Michael Pöllath