Kommunalwahl 2026: Hitze als Warnsignal – Erneuerbare Energien als Chance
BARSINGAUSEN (red). Mit einem vollbesetzten Haus im Kulturzentrum Krawatte hatte der Veranstalter BASCHE ERNEUERBAR nach dem Stand der Voranmeldungen nicht gerechnet, so dass eilig weitere Stühle herangeschafft werden mussten, um pünktlich beginnen zu können. Das Programm, das von Moderator Jan Sedelies dann zusammen mit den Vertretern der im Rat vertretenen demokratischen Parteien abgearbeitet wurde, reichte von der Energie- über die Wärme- und Verkehrswende bis hin zu Fragen von Klimaanpassungsstrategien in Barsinghausen. In den beinahe zwei Stunden gab es besonders viele Übereinstimmungen im Bereich der Klimaanpassungsstrategien bei den Diskutanten Roman Schwikowski (SPD), Gerald Schroth (CDU), Andreas Brinkmann (Grüne), Thomas Struß (AfB-WG) und Stig Unger (FDP). Genannt wurden Entsiegelungsmaßnahmen, vor allem in der Fußgängerzone, mehr Regenrückhaltebecken sowie Zisternen bei privaten Hausbesitzenden und Vereinen, aber auch weitere Maßnahmen im Zuge von Straßenbaumaßnahmen an der Kanalisation, gerade an neuralgischen Punkten wie z.B. dem Stollenbach.
Weitgehend einig war man sich auch bei der Einschätzung, dass Investitionen in erneuerbare Energien und energetische Sanierungsmaßnahmen gut für den örtlichen Mittelstand seien. Im Hinblick auf verschiedene Klimaschutzmaßnahmen wurden dann durchaus unterschiedliche Ansätze deutlich. Roman Schwikowski freute sich darüber, dass auf dem Klärwerk eine große Photovoltaikanlage einen hohen Anteil der Stromversorgung sicherstelle und das Programm für sogenannte Balkonkraftwerke sehr erfolgreich gewesen wäre. Von Stig Unger wurde eine fehlende Gesamtstrategie beklagt, die dann auch möglichst Partei übergreifend mitgetragen werden kann. Dem wurde von Andreas Brinkmann entgegengehalten, dass das Klimaschutzprogramm aus dem Jahr 2013 gerade mit dem Vorreiterkonzept Klimaschutz fortgeschrieben werde. Mit drei F-Planänderungen zugunsten von Sondergebieten für die Windenergienutzung hätte der Rat zumindest die Weichen für eine auf erneuerbarer Energie fußenden Stromversorgung gestellt. Die Akzeptanzdebatte hätte man vor einigen Jahren vor allem in Egestorf gehabt, so Thomas Struß, aber durch die neuen gesetzlichen Grundlagen, die mehr Bürgerbeteiligung vorschreiben würden, seien die öffentlichen Beteiligungsverfahren für die drei geplanten Windparks bisher ausgesprochen friedlich verlaufen, merkte auch Gerald Schroth an. Auch bezüglich des Flächenverbrauchs ist festzustellen, dass Windenergieanlagen, die höchste Flächeneffizienz aller Erneuerbaren haben und Barsinghausen mit den Umspannwerken in Lathwehren und am Industriegebiet an der Hannoverschen Straße beste Voraussetzungen als potenzieller Standort von großen Batteriespeichern bietet. Eine Technologie, die nach Auffassung von Stig Unger unerlässlich für das Gelingen der Energiewende sei.
Ansonsten wurde von allen Beteiligten auf die Vorbildfunktion der Stadt hingewiesen. Bei klammen Kassen stünden allerdings alle energetischen Sanierungsmaßnahmen, wie die Ausstattung der Schulen mit Klimaanlagen unter Finanzierungsvorbehalt und bei der Sanierung des Schulzentrums Spalterhals sei keine Klimatisierung vorgesehen, so Roman Schwikowski. Da müsse man zukünftig ggf. zu einer anderen Prioritätensetzung kommen, mahnten Gerald Schroth und Thomas Struß an. Andreas Brinkmann verwies auf den Beitritt der Stadt zur Energiegenossenschaft ENER:GO sowie auf die Stadtwerke Barsinghausen. Beide könnten fehlende öffentliche Mittel wie bei der Ausstattung der öffentlichen Einrichtungen mit PV-Anlagen ersetzen. Ohne privates Kapital sei die Energiewende nicht zu realisieren. Im Hinblick auf den Vorrang erneuerbarer Energien für die Strom- und Wärmeversorgung war man sich weitgehend einig sowie über das positive Wirken von Basche erneuerbar bei Information und Beratung von Hausbesitzenden in Barsinghausen. Der Klimabeirat, den die Stadt auf Wunsch aller großen Fraktionen eingerichtet habe, so Andreas Brinkmann, entfalte seine positiven Wirkungen zurzeit gerade bei der kommunalen Wärmeplanung, wo man Partei übergreifend zu Lösungen kommen wolle. Jan Sedelies sprach explizit die Abwärmenutzung aus Schacht IV an, die voraussichtlich in einem Stadtquartier die Wärmeversorgung übernehmen könne. Ansonsten hat die Umrüstung alter Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpen oberste Priorität, äußerte Thomas Struß unwidersprochen. Das müsse den Hausbesitzenden immer wieder vermittelt werden und das müsste auch mit den Wohnungsbaugesellschaften und größeren privaten Vermietern schnell klar gezogen werden, so Gerald Schroth.
Einig war man sich im Verkehrssektor, dass man sich zusammen mit allen Deisterrandgemeinden für eine funktionsfähige S-Bahn einsetzen müsse sowie eine möglichst zügige Verknüpfung von Sprinti mit den S-Bahnhaltestellen in Weetzen, Bad Nenndorf und Wunstorf, um die Defizite auf der S-Bahnstrecke Hannover-Haste zumindest kurzfristig ein wenig aufzufangen. Darüber hinaus setzten sich Thomas Struß und Stig Unger für ein auch für Kinder sicheres Radwegenetz ein. Hier sei mit der weitgehend flächendeckenden Einführung von Tempo 30-Zonen, in denen laut Straßenverkehrsordnung keine Radwege vorgesehen seien, schon viel getan worden, hielt dem Roman Schwikowski entgegen. Andreas Brinkmann verwies in diesem Zusammenhang auf erhebliche Defizite im Landesstraßennetz, deren Beseitigung man weiterhin gemeinsam einfordern müsse. Der E-Mobilität räumten alle Diskutanten die Zukunft ein. Defizite seien bei der systematischen Erschließung der Stadt mit Ladesäulen zu verzeichnen. Während in verdichteten Wohngebieten keine Schnellladesäulen von Nöten seien, allerdings noch weitgehen fehlten, müssten diese an Parkplätzen in Innenstadtnähe installiert werden. Nur so könne der naturgemäß kurze Aufenthalt zum Nachladen genutzt werden. Udo Sahling, Vorstandsvorsitzender von BASCHE ERNEUERBAR und gleichzeitig Vorstand bei ENER:GO Calenberger Land, bedankte sich abschließend bei Jan Sedelies für die sehr gelungene Moderation, bei den Diskutanten für die engagierte Debatte, den vielen helfenden Händen im Hintergrund und nicht zuletzt beim Publikum, das sich durch Fragen, Anregungen in die Debatte eingebracht hat. Von den Zukunftswünschen der Politiker nahm er den Wunsch auf, die Erschließung der öffentlichen Dachflächen mit PV-Anlagen jetzt endlich voranzutreiben, da die Stadt Barsinghausen Mitglied bei der Energiegenossenschaft geworden sei und allen Parteien dieses Thema so offensichtlich am Herzen läge.
Fotos: Meike Poutrain
