Ratsmehrheit stellt erste Weichen für einen Erhalt und die Sanierung des Thie-Fachwerkhauses

Bis zum Herbst soll nun die Verwaltung die tatsächlichen Kosten, die Höhe der zur Verfügung stehenden Fördermittel und die finanzielle Tragfähigkeit der Nutzungsmöglichkeiten prüfen / „Abriss-Antrag“ von Aktiv für Barsinghausen abgelehnt

BARSINGHAUSEN (ta). Das rund 200 Jahre alte Fachwerkhaus am Thie wird die Gemüter und die politischen Gremien der Stadt weiterhin beschäftigen, denn der von der Wählergemeinschaft „Aktiv für Barsinghausen“ (AFB) beantragte Abriss des Gebäudes wurde gestern im Rat mehrheitlich abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurde ein Antrag der CDU-Fraktion, nach dem alle Abstimmungen zu dem Tagesordnungspunkt geheim erfolgen hätten müssen. Beschlossen wurde hingegen ein gemeinsamer Antrag von SPD und Grünen, der auf eine Sanierung des Hauses abzielt. Mit Nein stimmten CDU, FDP, AFB und AfD und Bürgermeister Henning Schünhof. Laut rot-grünem Antrag soll die Verwaltung bis zum Herbst nun die vorgeschlagenen Nutzungsmöglichkeiten der Immobilie prüfen. Dazu gehören die Unterbringung des Tourismusbüros im Erdgeschoss, die Einbindung weiterer Ankermieter, die Schaffung von ein bis zwei Mietwohnungen im Obergeschoss und eventuell die Etablierung einer öffentlichen Toilette. Geprüft werden sollen ferner die tatsächlich anfallenden Sanierungs- und Baukosten sowie die Einkalkulierung von möglichen Fördermitteln für das Projekt.

Bärbel Cronau-Kretzschmar von den Grünen betonte, das leerstehende Haus verschandele nun seit über zehn den zentralen Innenstadtplatz. Hier gäbe es ein städtebauliches Defizit und es sei eine Belebung nötig. Daher sollte jetzt rasch ein Architekturbüro mit der Ermittlung der konkreten Kosten für die Sanierung beauftragt werden. SPD-Ratsherr Andreas Lorch sagte, es sei klar, dass die Sanierung Geld kosten werde, aber das Fachwerkhaus sei mitnichten ein Millionengrab. Die Ansiedlung von Büros und Wohnungen, der Umzug des Tourismusbüros und die Einbeziehung von Fördermitteln zur Stärkung der Innenstadt würden die Ausgaben für die Stadt senken.

Für die AFB-Fraktion, die nicht nur den Abriss des Hauses, sondern an selber Stelle die Etablierung von schattenspendenden Bäumen und Fahrradständern priorisiert, erklärte Kerstin Beckmann, der Antrag von SPD und Grünen beinhalte sogar weitere Kosten, nämlich für ein Planungsbüro. Die von Rot-Grün vorgeschlagene Gebäudenutzung stelle keinen Gewinn für die Innenstadt dar. Büros seien schon an anderen Stellen vorhanden und die Baukosten seien in den letzten Jahren noch angestiegen, sodass man feststellen müsse, dass das Sanierungskonzept nicht trage.

CDU-Fraktionsvorsitzender Gerald Schroth bezeichnete den aktuellen Zustand der städtischen Finanzen als schlimm bis schwierig, daher müssten zur Zeit eindeutig Prioritäten bei den Ausgaben gesetzt werden. „So wollen wir nicht mit Steuergeldern umgehen“, unterstrich Schroth seine ablehnende Haltung zum Sanierungsprojekt. In ihrer Brust würden zwei Herzen schlagen, meinte Kerstin Wölki von der FDP, denn es gehe darum, entweder das Haus zu erhalten oder die Stadtkasse nicht weiter zu belasten. Inzwischen dürfte eine Sanierung des Fachwerks rund drei Millionen Euro kosten und diese Ausgaben könne man nicht über Vermietungen wieder reinholen. Die Stadtverwaltung sollte zunächst die konkreten Kosten ermitteln und auch die zur Verfügung stehenden Fördermittel mit einbeziehen. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Messing bezeichnete die Diskussion im Rat als erfrischend sachlich. Der eigene Antrag beinhalte ja die Prüfung der Fördermöglichkeiten und die zu erwartenden Mieteinnahmen. Sollte die Finanzierung so nicht funktionieren, könne man durchaus über Alternativen reden. Und laut SPD-Ratsherr Reinhard Dobelmann handele es sich bei der Immobilie um das letzte richtige Fachwerkhaus in der Innenstadt, das es mit der Projektumsetzung zu erhalten gelte.

Zu Wort gemeldet hatten sich auch Friedegund Howind und Ingo Meier, die sich seit mehreren Jahren mit anderen Bürgern für den Erhalt des Fachwerkhauses einsetzen. Sie kritisierten, dass der Streit über das Gebäude für einen Abriss-Antrag und die Diskreditierung des Bürgermeisters genutzt worden sei. „Warum schafft Barsinghausen hier nicht gemeinsam was“, fragte Meier. Auch die Gestaltung einer Grünfläche mit Bäumen sowie die anschließende Pflege des Bereichs, wie es „Aktiv für Barsinghausen“ gefordert habe, kosteten Geld, gab Howind zu bedenken.

Fotos: ta / privat