Soja: Durch den Klimawandel ist die Hülsenfrucht vermehrt auf den Äckern zu sehen

Interesse am Anbau wächst

REGION/NIEDERSACHSEN (red). Der Klimawandel machts möglich: Seit 2017 wird Soja vermehrt auch in Niedersachsen angebaut, die Anbaufläche stieg seitdem von 475 Hektar (ha) auf über 1.500 ha im Jahr 2023. Möglich wäre ein Anbau von Soja sogar auf circa 71 Prozent der Ackerflächen in Niedersachsen, was fast 1,4 Mio. ha entsprechen würde. Laut dem Deutschen Soja-Förderring könnte man schon heute 375.000 Tonnen Sojabohnen in Niedersachsen produzieren, herrschen hier aufgrund der Temperatur- und der Niederschlagssummen gute Voraussetzungen. Zwar sind das gegenüber der weltweiten Anbaufläche mit circa 140 Mio. ha und einer Ernte von 370 Mio. Tonnen eher „peanuts“, aber im Hinblick auf Klimawandel, Transport, vermehrter Nachfrage, Unabhängigkeit von Lieferketten und guter Preise könnten Landwirte in Niedersachsen in der Fruchtfolge im Mittel 139.000 ha Soja anbauen.

Für eine erfolgreiche Sojabohnenernte sind dabei nicht nur Standort- und Sortenwahl, Saatgutimpfung sowie die Beikrautregulierung wichtig, sondern vor allem die Wärme zum und nach dem Aussaatzeitpunkt sowie die gleichmäßige Verteilung des Saatgutes auf die wasserführende Schicht in dem gut vorbereiteten Saatbett. Ab Mitte April werden die Soja-Körner in den durchwärmten Boden mit einer Temperatur von mehr als zehn Grad gelegt. Bis zur Blüte benötigen die Pflanzen kaum Wasser, danach aber viel. Im Vergleich zu anderen Leguminosen ist Soja gut selbstverträglich. Als eiweißreiche Frucht nimmt Soja viel Stickstoff vom Acker, doch eine gute Blattbeschattung im Hochsommer, das kräftige Wurzelwerk und die Streu sorgen für eine gute Bodenstruktur. Für den Anbauerfolg ist bei der Hackfrucht die Beikrautregulierung innerhalb der Sojareihen entscheidend. Da sich die jungen Soja-Pflanzen langsamer entwickeln als die Beikräuter, haben letztere zu Beginn leichtes Spiel. Mit moderner Hack- und Striegeltechnik können hier aber laut den Experten Verluste vermieden werden. In allen deutschen Anbaugebieten ist eine dreijährige Anbaupause üblich. Zur Reife fallen die Blätter von den Pflanzen, die Bestände werden rotbraun, sodass ab Mitte September die Sojabohnen geerntet werden.

Soja wird zu 77 Prozent für Tierfutter, zu 19 Prozent für den menschlichen Verzehr für Öl oder Tofu und zu 4 Prozent in der Industrie für Schmierstoffe verwendet. In der Humanernährung findet Soja als Tofu seit 2000 Jahren Verwendung und ist aktuell in der vegetarischen und veganen Küche als Alternative für Fleischprodukte angesagt. Für die Produktion von Tofu und Pflanzenmilch werden nur fünf Prozent der weltweit angebauten Sojamenge verarbeitet. Hier lautet die Faustregel: aus einem Kilogramm Sojabohnen werden zwei Kilogramm Tofu. Mit 13 Prozent Eiweiß dient Tofu als wichtige Proteinquelle und enthält zudem hohe Gehalte an Kalium, Magnesium, Calcium sowie Eisen. Das in Deutschland und in der EU im Tierfutter verwendete Soja stammt zumeist aus Brasilien, Argentinien und den USA. Eiweißreiches Soja ist effizient in der Tierfütterung, weil es aufgrund seiner Struktur die Ausscheidungen der Tiere reguliert, sodass Nitrat- und Ammoniakbelastungen durch die Tierhaltung reduziert werden.

Foto: Landvolk