Theaterstück „Gott“ fasziniert und wühlt das Publikum auf

Der hervorragende Schauspielabend von CC&Co wurde mit reichlich Applaus bedacht

BARSINGHAUSEN (red). Was passiert, wenn man ein Thema von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz von einem Strafverteidiger, Anwalt und Autor, der lange die Spiegel Bestsellerliste angeführt hat, aufbereitet und von hervorragenden Schauspielern fesselnd und überzeugend in einem Theaterstück auf die Bühne bringt? Das Publikum ist fasziniert, aufgewühlt und wird sicher noch lange an den Abend zurückdenken. In „Gott“, seinem zweiten Theaterstück, stellt der Autor Alexander von Schirach eine zentrale Frage in Bezug auf die menschliche Freiheit und Selbstbestimmung: Darf man jemandem bei einer Selbsttötung helfen? Seit dem Gerichtsurteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar 2020, das den bestehenden Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches für verfassungswidrig erklärt hat, erschien diese Frage vermehrt in den Schlagzeilen und wurde kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert.

Am Ende des Theaterstückes entscheidet das Publikum, und zwar über einen konkreten Fall: Richard Gärtner, 78 Jahre alt, will sich das Leben nehmen. Um dies für seine Begriffe würdevoll tun zu können, fordert er das Betäubungsmittel Pentobarbital, das ihm nur eine Ärztin oder ein Arzt geben kann. Soll er es bekommen? Zuvor erlebt das Publikum, wie in einer Sitzung des Ethikrats rechtliche, moralische, politische, christliche und persönliche Aspekte dieses hochaktuellen Themas zur Sprache kommen und darum gerungen wird, den richtigen Weg zu finden. In dieser Frage stehen zwei Prinzipien gegeneinander, die beide grundlegend unsere Gesellschaft charakterisieren: Auf der einen Seite das Selbstbestimmungsrecht der und des Einzelnen und auf der anderen Seite der Schutz des Lebens sowie die Verantwortung und Fürsorge gerade gegenüber einer Person, die Unterstützung braucht. Auch in Barsinghausen hat die fiktive Diskussion im deutschen Ethikrat über die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Sterbehilfe und damit auch die nach dem individuellen Recht auf einen selbstbestimmten Tod das Publikum gefesselt, bis es darüber abstimmen soll, ob Richard Gärtner die geforderte Hilfe erhalten soll. Die Abstimmung im Publikum ergab 153 Ja- und 85-Nein-Stimmen. Damit liegt das Ergebnis in Barsinghausen gleichauf mit dem vieler anderer Aufführungen und wird bei gott.theater im Internet veröffentlicht werden. „Gott“ war eine tiefbewegende Aufführung mit überzeugenden schauspielerischen Leistungen, die sicher viele Zuschauer im Nachgang über die eigene Haltung zu dieser Frage von Leben und Tod nachdenken lässt. Das hervorragende Ensemble wurde mit langem Beifall verabschiedet.

Fotos: T.Behind-Photographics