Vom Scheitern der Weimarer Republik am Beispiel Hannovers

Vortrag und Diskussion im Historisch-Politischen Colloquium

BARSINGHAUSEN (hhn). Vor vollem Haus berichtete Dr. Peter Schulze im Historisch-Politischen Colloquium über den Terror, mit dem die Nationalsozialisten Anfang 1933 in Hannover vor allem die sozialdemokratische Bewegung und ihre Institutionen angriffen. In der Kampagne zur Reichstagswahl Anfang März 1933 störten SA-Trupps die Reden von SPD-Abgeordneten mit allen Mitteln bis hin zu Saalschlachten. Als es ihnen nicht gelang, eine sozialdemokratische Wahlveranstaltung im Lister Turm zu verhindern, wurde aus den Reihen von SA und SS (die damals noch zur SA gehörte) auf Zuhörer und Unterstützer geschossen – es gab zwei Tote. Die Besetzung des Gewerkschaftshauses am 1. April 1933 wurde mit genauer Beschreibung dieses Gebäudekomplexes dargestellt; auch hier war entscheidend, dass die SS Schusswaffen einsetzte (und die damals schon gleichgeschaltete Polizei nicht eingriff). Das Vermögen der Arbeiterorganisationen wurde entwendet bzw. NS-Organisationen übertragen –was schon vor den späteren „Arisierungen“ auf den hohen Anteil von Raub in den nationalsozialistischen Aktionen hinwies.

Die lebhafte Diskussion ging von der alten Frage nach der Spaltung der Arbeiterbewegung in SPD und KPD aus. In Hannover besaß sie wegen der Schwäche der Kommunisten allerdings keine zentrale Bedeutung, so dass die Frage nach der Perspektive einer solchen Kooperation nicht gestellt wurde. Dass es auch an der Leine kaum noch Liberale gab, welche sich für die Weimarer Republik engagierten, machte Dr. Schulze an der (mangelnden) Berichterstattung der hannöverschen Presse deutlich. Warum der für die Weimarer Republik konstitutive Koalitionspartner der SPD, das katholische Zentrum, 1933 mit der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz die Nationalsozialisten unterstützte, ließ sich am Beispiel des protestantischen Hannover nicht erfolgversprechend diskutieren. Über die Frage, warum die Weimarer Republik scheiterte, wird also in zukünftigen Treffen des Colloquiums weiter diskutiert werden.

Bericht: Hans-Heinrich Nolte