Wie erkennen wir Fakes? – Abendveranstaltung in der VHS sorgt für Aufklärung

BARSINGHAUSEN (hhn). 

In einer sehr gut besuchten Abendveranstaltung der Volkshochschule am Freitag führte Stefan Oberhauser gekonnt in die Kunst der Bearbeitung und der Fälschung von Bildern ein. Vom Beginn der Fotografie an wurde mit Beleuchtung und Blickwinkel, mit Ausschnitt und Farbgebung gearbeitet, um die Interessen der jeweiligen Auftraggeber zu unterstützen. Etwa, um das prachtvolle Reiterbild eines militärischen Helden und Generals zu produzieren, obgleich sein Pferd scheute; oder, um den Kampf gegen die amerikanische Kriegsteilnahme in Vietnam zu unterstützen, indem aus einem breiten Foto mit marschierenden Korrespondenten das Bild eines kleinen Mädchens heraus gehoben wird, das schreiend aus ihrem brennenden Dorf rennt. Mit der Durchsetzung des Internetbildes entstand ein neues Bildgenre, das auch neue Formen der Heraushebung und neue Möglichkeiten der Fälschung brachte.

Das grundlegende Vertrauen des Beobachters in das, was er sieht – worüber „im Bilde zu sein“ glaubt – wurde und wird auf neue Weise auch dazu genutzt, um Desinformationen zu verbreiten. Oberhauser führte am Beispiel des bekannten Bildes, das den Clan Chef Remmo zusammen mit der Hauptkandidatin der Linken nach der jüngsten Wahl in Berlin zeigt, vor, wie man dies reale Bild mit den heute allgemein verfügbaren Mitteln der KI zur Verschärfung der Kritik verfälscht hat – und noch weiter verfälschen kann – bis hin zu einem von ihm selbst gefakten Bild, auf dem die beiden in Berlin im Cafè Kranzler zusammen Kaffee trinken. Zusammenfassend meinte Oberhauser: „ich würde erst mal keinem Bild trauen“ – und verwies auf die Faktencheck-Gruppe der Deutschen Presse-Agentur als verlässliche Informationsquelle für Rückfragen.

Prof. Nolte erweiterte das Thema mit einem kurzen Flashback auf klassische Fälschungen in der Geschichte nicht nur von Bildern, sondern auch von Texten oder Aussagen – beginnend mit der „Konstantinischen Schenkung“ im Mittelalter über die amerikanische Legitimation des Angriffs auf den Irak 2003 und bis zur russischen Begründung des Angriffs auf die Ukraine 2022. Er betonte, dass Quellenkritik lernbar ist – mit dem im Handout vorgelegten Zitat von Max Weber vom „Bohren harter Bretter mit Leidenschaft und Augenmass“. Im großen Publikum gab es mehrere gut unterrichtete Zuhörer, welche die Diskussionen und die Vorführungen von Beispielen durch vielfältige kundige Rückfragen präzisierten und erleichterten. Aber auch die Anfänger konnten gut folgen und im Zweifelsfall beim Referenten nachfragen. Eine gelungene Lerneinheit.